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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Tumoren am Auge

Aderhautnävus (Nävus der Aderhaut)

Ein Aderhautnävus ist ein gutartiges „Muttermal“ aus Pigmentzellen in der Aderhaut, der Gefäßschicht unter der Netzhaut. Etwa 5 von 100 hellhäutigen Erwachsenen haben einen; er macht fast nie Beschwerden und wird meist zufällig entdeckt. Nur sehr selten entwickelt sich daraus ein Melanom, deshalb wird er regelmäßig mit Fotos und weiteren Aufnahmen kontrolliert.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 36 Minuten · 28 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (7)

Was ist ein Aderhautnävus?

Ein Aderhautnävus ist eine gutartige Ansammlung von Pigmentzellen (Melanozyten) in der Aderhaut des Auges, vergleichbar mit einem Muttermal oder einer Sommersprosse auf der Haut. Fachleute zählen ihn zu den Tumoren, weil dort Zellen vermehrt vorkommen. „Tumor“ heißt hier aber nur „Gewebevermehrung“ und nicht Krebs. Im Englischen wird er deshalb oft einfach „eye freckle“ genannt, also Sommersprosse im Auge.

Wo im Auge liegt die Aderhaut?

Die Aderhaut ist eine stark durchblutete Gewebeschicht zwischen der lichtempfindlichen Netzhaut innen und der weißen Lederhaut außen. Sie versorgt die äußeren Netzhautschichten mit Sauerstoff. Ihre Pigmentzellen schlucken Streulicht und verbessern so die Bildqualität. Zusammen mit der Regenbogenhaut (Iris) und dem Strahlenkörper (Ziliarkörper) bildet sie die Uvea, die mittlere Augenhaut.

Mehr als 90 von 100 Nävi der Uvea liegen in der Aderhaut. Die allermeisten befinden sich im hinteren Teil des Auges, also im Augenhintergrund, den die Augenärztin oder der Augenarzt bei erweiterter Pupille betrachtet. Von außen ist ein Aderhautnävus nicht zu sehen.

Wie häufig ist ein Aderhautnävus?

Der Aderhautnävus ist der häufigste gutartige Tumor im Inneren des Auges bei Erwachsenen. Je nach Studie und Untersuchungsmethode haben ihn etwa 4 bis 8 von 100 Erwachsenen mit heller Haut. Fotostudien, die nur einen kleinen Ausschnitt der Netzhaut erfassen, finden weniger; Untersuchungen mit Weitwinkelfotos oder erweiterter Pupille finden deutlich mehr. Einzelne Fachtexte nennen deshalb Spannweiten von 1 bis 30 Prozent.

Bei Menschen mit dunkler Haut ist der Nävus wesentlich seltener. In einer großen US-Studie (MESA) lag die Häufigkeit bei Weißen bei 4,1 Prozent, bei Menschen hispanischer Herkunft bei 1,2 Prozent, bei Schwarzen bei 0,7 Prozent und bei Menschen chinesischer Herkunft bei 0,4 Prozent. Frauen und Männer sind gleich oft betroffen.

Ist ein Aderhautnävus gefährlich?

In den allermeisten Fällen ist ein Aderhautnävus harmlos und bleibt das ein Leben lang. Sehr selten kann sich aus ihm ein Aderhautmelanom entwickeln, ein bösartiger Tumor. Das Risiko wird auf etwa 1 von 9.000 Nävi pro Jahr geschätzt. Weil man diese seltenen Fälle früh erkennen möchte, wird ein Nävus regelmäßig kontrolliert: beruhigend, aber ernst zu nehmen.

Wie sieht ein typischer Aderhautnävus aus?

Ein typischer Aderhautnävus ist ein flacher, rundlicher oder ovaler, schiefergrauer bis brauner Fleck mit leicht verwaschenem Rand. Er misst meist weniger als 5 Millimeter im Durchmesser und ist dünner als 1 bis 1,5 Millimeter. Oft liegen auf seiner Oberfläche kleine gelbliche Ablagerungen, sogenannte Drusen. Drusen und ein heller Saum um den Fleck (Halo) sprechen dafür, dass der Nävus schon lange besteht und ruhig ist.

Welche Formen gibt es?

Fachleute unterscheiden vor allem typische und atypische (verdächtige) Nävi. Daneben gibt es einige Sonderformen, die beim Befund genannt werden können:

  • Typischer Nävus: flach, klein, pigmentiert, ohne Risikozeichen. Er wird nur beobachtet.
  • Atypischer oder verdächtiger Nävus: zeigt eines oder mehrere Risikozeichen, etwa größere Dicke oder Flüssigkeit unter der Netzhaut. Er wird engmaschiger kontrolliert.
  • Amelanotischer Nävus: enthält wenig oder kein Pigment und wirkt blass oder gelblich.
  • Halo-Nävus: hat einen hellen Ring um den dunklen Kern; das gilt eher als Zeichen von Stabilität.
  • Riesennävus: 10 Millimeter Durchmesser oder mehr; hier ist das Risiko einer Entartung höher.
  • Unbestimmte melanozytäre Läsion: ein Befund, bei dem sich noch nicht sicher sagen lässt, ob es ein großer Nävus oder ein sehr kleines Melanom ist.

Das Wichtigste in Kürze

Ein Aderhautnävus ist häufig, meist harmlos und braucht keine Behandlung, wohl aber regelmäßige Kontrollen.

  • Er macht fast nie Beschwerden und wird zufällig beim Augenarzt entdeckt.
  • Das erste Foto ist der wichtigste Vergleichsmaßstab für alle späteren Kontrollen.
  • Ärztinnen und Ärzte achten auf Dicke, Flüssigkeit, orangefarbenes Pigment, Ultraschallmuster, Durchmesser und Beschwerden.
  • Die Kontrolle dauert ein Leben lang, auch wenn sich jahrelang nichts verändert.
  • Neue Lichtblitze oder Sehverschlechterung sollten Sie zeitnah untersuchen lassen, einen sich ausbreitenden Schatten sofort.

2 Symptome

In diesem Kapitel (12)

Macht ein Aderhautnävus Beschwerden?

Nein, in aller Regel macht ein Aderhautnävus keinerlei Beschwerden. Er tut nicht weh, juckt nicht, rötet das Auge nicht und verändert das Sehen nicht. Die meisten Menschen erfahren nur zufällig von ihm, etwa bei einer Brillenbestimmung mit Blick in den Augenhintergrund, bei einer Glaukomvorsorge oder bei der Kontrolle wegen Diabetes. Nur ein kleiner Teil der Nävi führt im Lauf des Lebens zu Symptomen.

Warum spürt man einen Nävus meist nicht?

Ein Nävus liegt flach unter der Netzhaut, drückt auf nichts und entzündet nichts, deshalb verursacht er keine Schmerzen. Die Netzhaut darüber arbeitet bei einem typischen Nävus normal weiter. Außerdem liegen viele Nävi außerhalb der Stelle des schärfsten Sehens (Makula). Selbst ein kleiner Ausfall am Rand des Gesichtsfeldes würde vom Gehirn und vom zweiten Auge meist überdeckt.

Das bedeutet aber auch: Wenn sich ein Nävus verändert, merkt man das oft nicht. Auch beginnende Melanome machen anfangs häufig keine Beschwerden. Deshalb sind die Kontrollen mit Bildgebung wichtiger als die Selbstbeobachtung.

Welche Beschwerden können vorkommen?

Beschwerden entstehen fast immer nicht durch den Fleck selbst, sondern durch Veränderungen in seiner Umgebung, vor allem durch Flüssigkeit oder neue Blutgefäße. Folgende Symptome werden in Fachquellen beschrieben, jeweils mit dem Hinweis, dass sie selten sind und auch viele andere Ursachen haben können:

Verschwommenes oder schlechteres Sehen

Das häufigste Symptom ist eine langsame oder plötzliche Sehverschlechterung auf einem Auge. Sie tritt vor allem auf, wenn der Nävus in der Makula oder dicht daneben liegt. Man bemerkt sie etwa beim Lesen, wenn Buchstaben „verwaschen“ wirken, oder wenn ein Auge abgedeckt wird. In Studien gilt eine Sehschärfe von 0,4 (entspricht 20/50) oder schlechter als Risikozeichen, wenn sie mit dem Nävus zusammenhängt.

Verzerrtes Sehen

Gerade Linien wie Türrahmen, Fliesenfugen oder Tabellenzeilen erscheinen wellig, geknickt oder an einer Stelle eingedellt. Fachleute sprechen von Metamorphopsien. Ursache ist meist Flüssigkeit, die die Netzhaut über dem Nävus leicht anhebt. Manchmal wirken Gegenstände auf dem betroffenen Auge auch kleiner oder größer als auf dem anderen.

Lichtblitze

Manche Betroffene sehen kurze, helle Blitze oder Funken, vor allem im Dunkeln oder bei Augenbewegungen. Sie heißen Photopsien. Lichtblitze entstehen, wenn die Netzhaut mechanisch gereizt wird, etwa durch Flüssigkeit oder Zug. Bei einem bekannten Nävus gehören sie zu den Warnzeichen, die zeitnah abgeklärt werden sollten.

Schwebende Punkte und Schatten

Kleine Punkte, Fäden oder „Mückenschwärme“, die mit dem Blick mitwandern, heißen Mouches volantes. Sie sind sehr häufig und meist harmlos. Treten sie bei einem bekannten Nävus neu und deutlich vermehrt auf, gehören sie aber zu den Warnzeichen. Ein dunkler „Rußregen“ kann auf eine Blutung in den Glaskörper hinweisen; das kommt eher bei größeren Melanomen als bei einem Nävus vor.

Gesichtsfeldausfall

Ein grauer oder dunkler Fleck an einer festen Stelle im Gesichtsfeld wird Skotom genannt. Er kann entstehen, wenn die Netzhaut über dem Nävus geschädigt ist oder sich abhebt. Viele Menschen bemerken das nur, wenn sie das andere Auge abdecken. Ein Schatten, der sich vom Rand her ausbreitet wie ein Vorhang, ist dagegen ein Notfallzeichen, siehe unten.

Schmerzen, Rötung, sichtbare Veränderungen

Schmerzen, ein Druckgefühl, ein gerötetes Auge, eine verformte Pupille oder sichtbar erweiterte Gefäße auf dem Augenweiß gehören nicht zum Bild eines Nävus. Solche Zeichen treten, wenn überhaupt, erst bei weit fortgeschrittenen Melanomen auf, etwa durch einen sekundären Grünen Star. Bei einem Nävus deuten sie eher auf eine ganz andere Augenerkrankung hin und sollten ebenfalls untersucht werden.

Woher kommen die Beschwerden genau?

Die meisten Beschwerden entstehen durch Flüssigkeit unter der Netzhaut oder durch neue, undichte Blutgefäße unter dem Nävus. Über einem Nävus kann die Pigmentschicht der Netzhaut (retinales Pigmentepithel) mit der Zeit dünner werden oder Ablagerungen bilden. Dadurch kann Flüssigkeit austreten und die Netzhaut flach abheben (seröse Netzhautabhebung).

Seltener wachsen aus der Aderhaut feine neue Gefäße unter die Netzhaut, eine choroidale Neovaskularisation (CNV). Diese Gefäße sind undicht, können bluten und so das Sehen verschlechtern. Wichtig: Eine solche Gefäßneubildung ist eine Komplikation des Nävus, aber für sich kein Zeichen dafür, dass er bösartig wird. Flüssigkeit unter der Netzhaut ohne neue Gefäße gilt dagegen als Risikozeichen und wird genau angesehen.

Welche Rolle spielt die Lage des Nävus?

Die Lage entscheidet weitgehend darüber, ob ein Nävus überhaupt das Sehen beeinflussen kann. In der MESA-Studie lagen etwa 64 von 100 Nävi außerhalb der Makula, 31 in der Makularegion, 4 direkt unter der Netzhautmitte (Fovea) und 4 am Rand des Sehnervenkopfes. Nävi in der Peripherie bleiben praktisch immer unbemerkt.

Nävi in der Makula können eher zu verschwommenem oder verzerrtem Sehen führen, wenn Flüssigkeit oder Gefäße hinzukommen. Selbst dort ist ein Sehverlust aber selten: In MESA hatten nur 4 von 141 Augen mit Nävus eine leichte Sehminderung auf 0,5 oder schlechter, keines eine schwere, und keines der acht Augen mit Nävus direkt unter der Fovea sah dadurch schlechter. Liegt ein Nävus am Sehnerv, kann er dort einen kleinen Ausfall im Gesichtsfeld verursachen, der im Alltag meist nicht auffällt.

Welche Beschwerden sind bei einem bekannten Nävus ein Warnzeichen?

Jede neue Sehstörung auf dem Auge mit dem Nävus ist ein Grund, die nächste Kontrolle vorzuziehen. Die folgende Übersicht hilft bei der Einordnung:

BeschwerdeWie es sich anfühltMögliche BedeutungWas tun?
SehverschlechterungLesen fällt schwerer, Bild auf einem Auge unschärferFlüssigkeit, Gefäßneubildung, selten Wachstum; oft auch andere Ursacheninnerhalb weniger Tage zur Augenärztin oder zum Augenarzt
Verzerrtes SehenGerade Linien wirken wellig oder geknicktFlüssigkeit unter der Netzhautinnerhalb weniger Tage
LichtblitzeKurze Funken, besonders im DunkelnReizung der Netzhaut, auch Glaskörperabhebungbei erstmaligem, plötzlichem Auftreten am selben oder nächsten Tag, bei zusätzlichem Schatten sofort
Neue SchwebeteilchenPunkte, Fäden, Rußregenmeist Glaskörperveränderung, selten Blutungbei plötzlichem, starkem Auftreten am selben Tag
Schatten, VorhangDunkler Bereich, der sich ausbreitetmögliche Netzhautablösungsofort, Notfall
Fester dunkler FleckStelle im Bild fehlt oder ist grauNetzhautschaden, Flüssigkeitinnerhalb weniger Tage
Schmerzen, rotes AugeDruck, Kopfschmerz, Rötungbeim Nävus untypisch, eher andere Erkrankungje nach Stärke am selben Tag

Bemerken Angehörige etwas?

Nein, Angehörige können einen Aderhautnävus nicht sehen, weil er tief im Augeninneren liegt. Auch auf Handyfotos mit Blitz ist er nicht zu erkennen. Ein dunkler Fleck, den man von außen auf dem Augenweiß oder in der Regenbogenhaut sieht, ist etwas anderes, etwa ein Nävus der Bindehaut oder der Iris. Er sollte ebenfalls augenärztlich angesehen werden, gehört aber nicht zu diesem Krankheitsbild.

Was Angehörige gelegentlich bemerken, sind Folgen einer Sehverschlechterung: Jemand kneift ein Auge zu, liest schlechter, verschätzt sich beim Einschenken oder stößt auf einer Seite häufiger an. Solche Beobachtungen sind unspezifisch, verdienen aber eine Untersuchung.

Gibt es Unterschiede bei Kindern, Jüngeren und Älteren?

Bei Kindern ist ein Aderhautnävus selten zu sehen und macht praktisch nie Beschwerden. Die Pigmentzellen sind wahrscheinlich von Geburt an angelegt, dunkeln aber meist erst ab der Pubertät nach. Eine auffällige Pigmentierung im Augenhintergrund eines Säuglings ist deshalb meist etwas anderes und wird genauer abgeklärt. Komplikationen wie Flüssigkeit oder Gefäßneubildung sind bei Kindern sehr selten.

Bei jungen Erwachsenen wächst ein Nävus häufiger noch etwas als im Alter, ohne dass das bösartig sein muss. Eine Entartung ist unter 30 Jahren sehr selten. Bei älteren Menschen steigt das jährliche Risiko einer Umwandlung, nach spanischen Fachquellen bei über 70-Jährigen auf etwa 1 zu 3.000 pro Jahr. Gleichzeitig haben Ältere oft weitere Augenerkrankungen wie eine Makuladegeneration, deren Beschwerden sich überlagern können.

Ist meist nur ein Auge betroffen?

Meist findet sich ein einzelner Nävus in einem Auge, es können aber auch mehrere Nävi oder Nävi in beiden Augen vorkommen. Jeder Nävus wird dann getrennt dokumentiert und beurteilt. Das Aderhautmelanom selbst tritt praktisch immer nur in einem Auge auf.

Wenn die Beschwerden etwas anderes bedeuten

Die meisten Sehstörungen bei Menschen mit einem Aderhautnävus haben gar nichts mit dem Nävus zu tun. Lichtblitze und neue Mouches volantes sind zum Beispiel sehr oft Zeichen einer harmlosen Glaskörperabhebung, die im Alter fast jeden betrifft. Ein aufziehender Schatten kann eine Netzhautablösung sein. Verzerrtes Sehen im Alter ist häufig eine Folge der altersabhängigen Makuladegeneration, bei Jüngeren unter Stress auch einer zentralen serösen Chorioretinopathie.

Deshalb ist es sinnvoll, neue Beschwerden immer untersuchen zu lassen, aber nicht automatisch an Krebs zu denken. Die Untersuchung klärt beides: ob der Nävus sich verändert hat und ob eine andere Ursache vorliegt.

Wie unterscheiden sich die Beschwerden bei Nävus und Melanom?

An den Beschwerden allein lassen sich Nävus und Melanom nicht unterscheiden. Beide sind anfangs meist beschwerdefrei, und beide können später dieselben Symptome machen: Sehverschlechterung, Verzerrtsehen, Lichtblitze, Schwebeteilchen oder einen Gesichtsfeldausfall. Beim Melanom treten Beschwerden häufiger und oft erst auf, wenn der Tumor die Sehachse erreicht oder die Netzhaut abhebt. Schmerzen kommen fast nur bei weit fortgeschrittenen Melanomen vor. Mehr dazu im Artikel über das Aderhautmelanom.

Was können Sie selbst beobachten?

Sie können gelegentlich jedes Auge einzeln prüfen, indem Sie das andere abdecken. So fällt eher auf, wenn ein Auge unschärfer oder verzerrt sieht, denn mit beiden Augen gleicht das Gehirn kleine Unterschiede aus. Dazu eignen sich gerade Linien wie Fensterrahmen, Kacheln oder ein kariertes Blatt. Eine Selbstkontrolle ersetzt aber nie die Bildgebung beim Augenarzt, weil sich ein Nävus verändern kann, ohne dass Sie etwas merken.

Gleichen Sie neue Sehprobleme nicht einfach mit einer stärkeren Lesebrille aus. Lassen Sie sie zuerst augenärztlich abklären.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (7)

Wie entsteht ein Aderhautnävus?

Ein Aderhautnävus entsteht, wenn sich Pigmentzellen der Aderhaut an einer Stelle vermehren, ohne bösartige Eigenschaften zu haben. Diese Melanozyten stammen aus der Neuralleiste, demselben Gewebe im Embryo, aus dem auch die Pigmentzellen der Haut hervorgehen. Unter dem Mikroskop sind es meist spindelförmige Zellen, seltener rundliche oder gemischte Formen, ohne Zeichen von Entartung. Die feinen Blutgefäße der Aderhaut bleiben dabei erhalten.

Warum sich die Zellen gerade an dieser Stelle sammeln, ist nicht bekannt. Es handelt sich nicht um eine Krankheit, die man sich zuzieht, sondern um eine Eigenheit des Gewebes, ähnlich einem Muttermal.

Ist ein Aderhautnävus angeboren?

Die Zellen sind wahrscheinlich schon bei der Geburt angelegt, sichtbar wird der Nävus aber meist erst ab der Pubertät. Französische und spanische Fachquellen beschreiben, dass die Zellen in Kindheit und Jugend langsam zunehmen und Pigment bilden. Eine amerikanische Patientenorganisation betont, dass Nävi vor der Pubertät ungewöhnlich sind. Beide Aussagen passen zusammen: Die Anlage ist früh da, das Pigment kommt später.

Manche Patientenseiten schreiben, ein Nävus wachse nach der Pubertät nicht mehr. Das ist vereinfacht. Viele Nävi verändern sich über Jahrzehnte kaum, ein Teil wächst aber sehr langsam weiter, ohne bösartig zu werden.

Wer hat häufiger einen Aderhautnävus?

Ein Aderhautnävus ist bei Menschen mit heller Haut und europäischer Herkunft deutlich häufiger als bei Menschen mit dunkler Haut. Auch helle Augenfarben wie Blau, Grün oder Grau werden mit Nävi und dem Aderhautmelanom in Verbindung gebracht. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.

In einzelnen Studien fanden sich weitere Zusammenhänge, die aber nicht als Ursache gelten: eine höhere lebenslange Östrogenwirkung bei Frauen, frühe Schwangerschaften, Übergewicht nach den Wechseljahren und leicht erhöhte Entzündungswerte im Blut. Für Rauchen, Alkohol, Blutfette oder Diabetes fand sich kein Zusammenhang. Keiner dieser Faktoren ist ein Grund, das eigene Verhalten zu ändern.

Ist ein Aderhautnävus erblich?

In aller Regel nicht. Eine Häufung in Familien ist nur in Einzelfällen beschrieben. Anders ist es beim Aderhautmelanom: Hier gilt eine familiäre Belastung als Risikofaktor, und bei einem kleinen Teil steckt eine erbliche Veränderung im Gen BAP1 dahinter (BAP1-Tumorprädispositionssyndrom). Wenn in Ihrer Familie Aderhautmelanome, Mesotheliome oder Nierenkrebs gehäuft vorkommen, sprechen Sie das bei der Kontrolle an.

Warum kann aus einem Nävus ein Melanom werden?

Warum einzelne Nävi entarten, ist nicht geklärt. Bekannt ist, dass in etwa 83 von 100 Aderhautmelanomen Veränderungen in den Genen GNAQ oder GNA11 vorliegen; solche Veränderungen finden sich auch in manchen Nävi. Sie allein reichen also nicht für Bösartigkeit. Weitere Veränderungen, etwa der Verlust von Chromosom 3 oder eine Mutation in BAP1, bestimmen später, wie aggressiv ein Melanom ist.

Nach französischen Fachquellen entstehen mindestens 10 von 100 Aderhautmelanomen erkennbar aus einem vorbestehenden Nävus. Viele andere entstehen ohne bekannten Vorläufer neu. Ein Nävus ist also ein Risikofaktor, aber keine notwendige Vorstufe.

Welche Faktoren erhöhen das Melanomrisiko?

Das Risiko, dass ein Aderhautmelanom entsteht, ist bei bestimmten Merkmalen der Person erhöht. Genannt werden in deutschen, englischen und französischen Quellen:

  • helle Haut (Hauttyp I bis III) und helle Augen (blau, grün, grau)
  • ein bekannter Aderhautnävus, besonders mit Risikozeichen oder einem Durchmesser von 10 Millimetern oder mehr
  • eine okuläre Melanozytose (Nävus von Ota), eine angeborene bläulich-graue Verfärbung von Augenweiß und Haut um das Auge; hier liegt das Melanomrisiko bei etwa 1 von 400 Betroffenen
  • ein dysplastisches Nävussyndrom, also viele ungewöhnliche Muttermale der Haut
  • Neurofibromatose
  • eine erbliche BAP1-Veränderung oder Aderhautmelanome in der Familie
  • höheres Lebensalter, mit einem Gipfel zwischen 60 und 70 Jahren

Spielt Sonnenlicht eine Rolle?

Für die Aderhaut ist ein Einfluss von UV-Licht nicht belegt. Hornhaut und Linse filtern UV-Strahlung weitgehend, bevor sie die Aderhaut erreicht. Ein Zusammenhang mit Sonnenlicht wird nur für das sehr seltene Melanom der Regenbogenhaut diskutiert. Eine Sonnenbrille ist für die Augen trotzdem sinnvoll, schützt aber nach heutigem Wissen nicht vor einem Aderhautnävus oder dessen Entartung.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (10)

Wie wird ein Aderhautnävus entdeckt?

Ein Aderhautnävus wird fast immer zufällig bei der Spiegelung des Augenhintergrunds (Funduskopie) entdeckt. Das geschieht etwa bei einer Vorsorge, einer Brillenbestimmung mit Fundusfoto beim Optiker oder einer Kontrolle wegen Diabetes oder Bluthochdruck. Für eine genaue Beurteilung werden die Pupillen mit Augentropfen erweitert. Danach ist das Sehen für einige Stunden unscharf und blendempfindlich, deshalb sollten Sie nicht selbst Auto fahren.

Reicht ein Blick in den Augenhintergrund?

Für den ersten Eindruck ja, für eine sichere Einschätzung und den Verlauf nicht. Spanische und französische Fachgesellschaften betonen, dass die Spiegelung allein nicht genügt. Ein Nävus sollte bei der Erstuntersuchung mit mehreren Verfahren dokumentiert werden, das nennt man multimodale Bildgebung. Nur so lassen sich spätere Veränderungen objektiv messen.

Welche Untersuchungen gehören dazu?

Die wichtigsten Untersuchungen sind Fundusfoto, OCT, Ultraschall und Autofluoreszenz; alle sind schmerzfrei und kommen ohne Strahlenbelastung aus.

UntersuchungWas sie zeigtAblauf
Fundusfoto, auch WeitwinkelGröße, Farbe, Rand, Lage, Drusen; Vergleichsbild für späterFoto bei erweiterter Pupille, kurzer heller Blitz
OCT (optische Kohärenztomographie)Schichten der Netzhaut, kleinste Mengen Flüssigkeit, DrusenLichtscan ohne Berührung, wenige Sekunden
Ultraschall (A- und B-Bild)Dicke in Millimetern, inneres EchomusterSonde auf dem geschlossenen Lid mit Gel
Fundus-Autofluoreszenzorangefarbenes Pigment (Lipofuszin), FlüssigkeitFoto mit speziellem Licht
Fluoreszein- oder ICG-Angiographieundichte Gefäße, Gefäßneubildung, punktförmige LeckagenFarbstoff in die Armvene, dann Fotoserie; nur bei Unklarheit
OCT-AngiographieGefäßnetz ohne Farbstoffwie OCT; ergänzend

Fundusfotografie

Das Fundusfoto ist die Grundlage jeder Kontrolle, weil es den Befund zum Zeitpunkt der Entdeckung festhält. Spätere Fotos werden damit verglichen, idealerweise mit demselben Gerät und demselben Bildausschnitt. Weitwinkelsysteme erfassen auch Nävi weit am Rand der Netzhaut. In französischen Kliniken werden zusätzlich Aufnahmen im Rotlicht gemacht, weil die Pigmentgrenzen dort besser sichtbar sind.

OCT

Die OCT erkennt Flüssigkeit unter der Netzhaut, die mit bloßem Auge noch unsichtbar ist. Sie zeigt außerdem Drusen, Veränderungen der Pigmentschicht und aufgelockerte, „zottige“ Sinneszellen über dem Nävus, die auf Aktivität hindeuten können. Die Dicke des Nävus selbst misst die OCT weniger zuverlässig, weil das Pigment den Lichtstrahl schluckt. Liegt ein Nävus sehr weit am Rand, ist die OCT oft nicht möglich.

Ultraschall

Der Ultraschall misst, wie dick der Nävus ist, und zeigt sein inneres Echomuster. Eine Dicke über 2 Millimeter gilt als wichtiges Risikozeichen. Wirkt das Innere im Ultraschall dunkel und „hohl“ (niedrige innere Reflektivität, akustische Leere), spricht das eher für ein Melanom, kommt aber auch bei Nävi vor. Sehr flache Nävi sind im Ultraschall kaum zu sehen; dann ist die OCT aussagekräftiger.

Autofluoreszenz

Die Autofluoreszenz macht orangefarbenes Pigment sichtbar, oft schon bevor es auf dem normalen Foto erkennbar ist. Dieses Pigment (Lipofuszin) sammelt sich in der Pigmentschicht an, wenn darunter Stoffwechsel-Aktivität herrscht. Es gilt als eines der stärksten einzelnen Warnzeichen. Französische Fachautoren weisen aber darauf hin, dass die Autofluoreszenz allein keinen Nävus sicher von einem frühen Melanom trennt.

Angiographie

Eine Farbstoffuntersuchung der Gefäße ist nur bei unklaren Befunden nötig. Sie zeigt, ob neue Gefäße unter dem Nävus wachsen oder ob an vielen Punkten Farbstoff austritt („pin points“), was als Risikozeichen gilt. Einen Nävus von einem kleinen Melanom kann sie allein ebenfalls nicht sicher unterscheiden.

Woran unterscheidet man einen Nävus von einem Melanom?

Entscheidend sind messbare Risikozeichen und vor allem die Veränderung über die Zeit. Ein einzelnes Merkmal reicht selten aus. Deshalb haben Fachleute Merkhilfen entwickelt, die mehrere Zeichen zusammenfassen. Sie sind Werkzeuge für die Augenärztin oder den Augenarzt, kein Test für zu Hause.

Was bedeutet TFSOM-DIM?

TFSOM-DIM ist eine englische Merkhilfe der Arbeitsgruppe um Carol und Jerry Shields (Wills Eye Hospital, USA) und steht für „To Find Small Ocular Melanoma – Doing IMaging“, auf Deutsch etwa: kleine Augenmelanome finden, mit Bildgebung. Jeder Buchstabe steht für ein Risikozeichen, das mit einem bestimmten Verfahren erfasst wird:

BuchstabeBedeutungGrenzwertGemessen mit
T – ThicknessDickeüber 2 mmUltraschall
F – FluidFlüssigkeit unter der NetzhautvorhandenOCT
S – SymptomsBeschwerden, Sehschärfe0,4 (20/50) oder schlechterSehtest
O – Orange pigmentorangefarbenes PigmentvorhandenAutofluoreszenz
M – Melanoma hollow„hohles“ EchomustervorhandenUltraschall
DIM – DiameterDurchmesserüber 5 mmFundusfoto

In der Auswertung von 2.355 Nävi aus diesem Zentrum stieg das Fünfjahresrisiko für eine Umwandlung in ein Melanom mit der Zahl der vorhandenen Zeichen deutlich an:

Zahl der RisikozeichenUmwandlung in ein Melanom innerhalb von 5 Jahren
0etwa 1 %
1etwa 11 %
2etwa 22 %
3etwa 34 %
4etwa 51 %
5etwa 55 %

Diese Zahlen stammen aus einem Tumorzentrum, in das vor allem auffällige Nävi überwiesen werden. Für einen zufällig entdeckten, typischen Nävus ohne Risikozeichen liegt das Risiko viel niedriger. Ältere Fassungen der Merkhilfe (TFSOM, TFSOM-UHHD) enthielten noch die Nähe zum Sehnerv (Rand innerhalb von 3 mm), fehlende Drusen und einen fehlenden Halo; neuere Auswertungen fanden diese Punkte weniger aussagekräftig. Orangefarbenes Pigment war in spanischen Fachtexten der stärkste Einzelfaktor.

Was ist der MOLES-Score?

MOLES ist ein britisches Punktesystem, mit dem auch Optikerinnen, Optiker und nicht spezialisierte Augenärzte einen Nävus anhand von Fotos einstufen können. Die Buchstaben stehen für Mushroom (Pilzform), Orange (orangefarbenes Pigment), Large (Größe), Enlargement (Wachstum) und Subretinal fluid (Flüssigkeit). Jedes Merkmal bekommt 0 Punkte (fehlt), 1 Punkt (unsicher) oder 2 Punkte (vorhanden).

PunkteEinstufungÜbliches Vorgehen in Großbritannien
0gewöhnlicher NävusKontrolle mit Foto etwa alle ein bis zwei Jahre
1Nävus mit niedrigem Risikonicht dringliche Überweisung, Bildgebung alle 6 bis 12 Monate
2Nävus mit hohem Risikonicht dringliche Überweisung, Bildgebung alle 6 bis 12 Monate
3 oder mehrwahrscheinliches Melanomdringliche Überweisung an ein Augentumorzentrum

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wurde MOLES 2024 an deutschen Patientinnen und Patienten geprüft. Alle Melanome wurden richtig als verdächtig erkannt, und 96 von 100 Nävi wurden richtig als unverdächtig eingestuft. Von den Nävi hatten 64 Prozent 0 Punkte, 21 Prozent 1 Punkt und 12 Prozent 2 Punkte. Die Autoren empfehlen MOLES als Suchhilfe für Nicht-Spezialisten und TFSOM-DIM für die Beratung in Zentren.

Welche Befunde sprechen für einen harmlosen Nävus?

Ein flacher, kleiner Nävus mit Drusen und ohne die oben genannten Risikozeichen ist mit großer Wahrscheinlichkeit harmlos. Typische beruhigende Merkmale sind:

  • Durchmesser unter 5 bis 6 Millimeter
  • Dicke unter 1 bis 1,5 Millimeter
  • gelbliche Drusen auf der Oberfläche
  • ein heller Saum (Halo) oder Zeichen von Gewebeschwund der Pigmentschicht über dem Nävus
  • kein orangefarbenes Pigment, keine Flüssigkeit, keine Beschwerden
  • Stabilität über mehrere Kontrollen

Die Grenzwerte unterscheiden sich je nach Quelle etwas: Französische Fachtexte nennen eine Dicke ab 1,5 Millimeter und einen Durchmesser ab 6 oder 7 Millimeter als verdächtig, amerikanische eine Dicke über 2 und einen Durchmesser über 5 Millimeter. Ab einer Dicke von etwa 2,5 Millimeter halten deutsche Quellen ein Melanom für sehr wahrscheinlich.

Was ist eine unbestimmte melanozytäre Läsion?

So nennen Fachleute einen Befund im Graubereich zwischen großem Nävus und kleinem Melanom, typischerweise mit einer Dicke zwischen 1 und 3 Millimetern. Eine feste Grenze gibt es nicht. Spanische Fachtexte sprechen bei weniger als 1 Millimeter Dicke und 5 Millimeter Durchmesser von einem Nävus und ab etwa 2,5 Millimeter Dicke und 10 bis 16 Millimeter Durchmesser von einem Melanom. Dass dieser Graubereich groß ist, zeigt eine amerikanische Studie: Von den als „kleine Melanome“ eingestuften Befunden wuchsen 63 Prozent in fünf Jahren nicht, viele waren also vermutlich große Nävi.

Welche anderen Befunde sehen ähnlich aus?

Mehrere andere, meist harmlose Veränderungen können im Augenhintergrund wie ein Nävus aussehen und werden bei der Diagnose ausgeschlossen:

  • Aderhaut-Sommersprosse (Ephelide): sehr klein, flach, unregelmäßig begrenzt, die großen Aderhautgefäße bleiben sichtbar.
  • Angeborene Hypertrophie des Pigmentepithels (CHRPE): scharf begrenzt, sehr dunkel, oft mit hellen Lücken und Saum; harmlos und ohne regelmäßige Kontrollpflicht.
  • Melanozytom: fast schwarz, meist am Sehnervenkopf, mit gestreiftem Rand; ebenfalls meist gutartig.
  • Kleines Aderhautmelanom: die wichtigste Abgrenzung; siehe Risikozeichen.
  • Aderhautmetastasen: Absiedlungen anderer Krebsarten, vor allem von Brust- oder Lungenkrebs; meist hell und nicht pigmentiert.
  • Aderhauthämangiom, Blutungen unter der Netzhaut und seltene Gefäßerkrankungen am Netzhautrand.
  • Narben nach Entzündung oder Verletzung mit vermehrtem Pigment.

Wird eine Gewebeprobe entnommen?

Bei einem Nävus fast nie. Eine Gewebeprobe aus dem Augeninneren ist ein Eingriff mit Risiken: Bei kleinen Befunden ist das Ergebnis in etwa 7 von 100 Fällen nicht eindeutig, und bei etwa 4 von 100 kommt es zu einer Netzhautablösung oder Blutung. Deshalb stützt sich die Beurteilung auf Bildgebung und Verlauf. Eine Biopsie bleibt wenigen unklaren Befunden in spezialisierten Zentren vorbehalten.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (10)

Muss ein Aderhautnävus behandelt werden?

Nein, ein unauffälliger Aderhautnävus wird nicht behandelt, sondern nur regelmäßig kontrolliert. Darin sind sich deutsche, österreichische, englische, französische und spanische Fachquellen einig. Die „Behandlung“ besteht aus Fotodokumentation, Bildgebung und der Einhaltung der Kontrolltermine. Erst wenn sich Risikozeichen oder Wachstum zeigen, wird weiter abgeklärt.

Warum wird ein Nävus nicht vorsorglich entfernt?

Weil ein Eingriff am Augenhintergrund mehr schaden als nützen würde. Der Nävus liegt direkt unter der Netzhaut; ihn herauszuschneiden oder zu bestrahlen, kann das Sehen dauerhaft verschlechtern. Bei einem Risiko von etwa 1 zu 9.000 pro Jahr würden sehr viele Menschen unnötig behandelt. Die Kontrolle erlaubt es, die seltenen gefährlichen Fälle früh zu erkennen, ohne alle anderen zu gefährden.

Wie oft muss ein Aderhautnävus kontrolliert werden?

Das hängt vom Befund ab; ein unauffälliger Nävus wird meist einmal im Jahr, später teils alle zwei Jahre kontrolliert, ein verdächtiger alle drei bis sechs Monate. Ein einheitliches, verbindliches Schema für Deutschland oder Österreich gibt es nicht. Die folgende Tabelle zeigt typische Empfehlungen aus verschiedenen Ländern:

BefundÜbliche AbständeHerkunft der Empfehlung
Nach der Erstentdeckungerste Kontrolle je nach Befund nach 3, 6 oder 12 Monaten, bei Unsicherheit eher früher, um schnelles Wachstum auszuschließenEyeWiki (AAO), deutsche Fachquellen
Typischer Nävus ohne Risikozeichenjährlich, bei langjähriger Stabilität teils alle 2 Jahre, lebenslangASRS (USA), SFO (Frankreich), Universitätsaugenklinik Graz
Nävus mit einem oder mehreren Risikozeichenalle 4 bis 6 MonateASRS (USA), SEO (Spanien)
Deutlich verdächtiger Nävusim ersten Jahr alle 3 Monate, danach alle 6 MonateSFO-Bericht 2022, EyeWiki
Wahrscheinliches Melanomdringliche Vorstellung in einem AugentumorzentrumRCOphth (Großbritannien), DOG/BVA

Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt legt den Abstand individuell fest. Fragen Sie nach, wenn Ihnen nicht klar ist, wann der nächste Termin sein soll.

Wie ist die Kontrolle in Deutschland und Österreich geregelt?

In Deutschland gibt es keine eigene Leitlinie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) zum Aderhautnävus mit festen Kontrollabständen. Die DOG und der Berufsverband der Augenärzte (BVA) rufen aber dazu auf, den Augenhintergrund ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig untersuchen zu lassen, besonders bei hellen Augen, bekannten Pigmentflecken in der Aderhaut oder Augentumoren in der Familie. Bei Verdacht wird an ein augenonkologisches Zentrum einer Universitätsaugenklinik überwiesen.

In Österreich gibt es ebenfalls kein Screening-Programm für Aderhautnävi. Die Universitätsaugenklinik Graz führt ein Nävus-Register (PROCHORN) mit einem festen Schema: in den ersten fünf Jahren nach Entdeckung jährlich, danach alle zwei Jahre. Bei einer unbestimmten Läsion wird im ersten Jahr halbjährlich kontrolliert. Bei Risikozeichen wie Flüssigkeit, orangefarbenem Pigment, Lage am Sehnerv, Beschwerden, einer Dicke von 2 bis 3 Millimetern oder dokumentiertem Wachstum wird der Abstand halbiert. Nach zwei stabilen Kontrollen dürfen Termine abwechselnd bei niedergelassenen Augenärzten stattfinden. Österreichische Expertisezentren für Tumoren im Augeninneren sind auf gesundheit.gv.at aufgeführt.

Wie ist es in anderen Ländern?

In Großbritannien laufen Kontrollen unauffälliger Nävi oft über Optikerinnen und Optiker mit Fundusfoto; nur auffällige Befunde werden nach MOLES-Punkten an Kliniken überwiesen. Bei vermutetem Melanom soll dort innerhalb von zwei Wochen ein Augenarzttermin erfolgen. In Frankreich empfiehlt die Fachgesellschaft SFO eine jährliche, lebenslange Kontrolle mit Foto, OCT und Ultraschall. Die Grazer Arbeitsgruppe betont dagegen, dass die Früherkennung bei Fachärztinnen und Fachärzten für Augenheilkunde liegen sollte.

Was passiert bei einer Kontrolle?

Bei jeder Kontrolle wird der Nävus mit den früheren Bildern verglichen. Üblich sind:

  1. Sehtest beider Augen
  2. Erweiterung der Pupillen mit Augentropfen
  3. Betrachtung des Augenhintergrunds
  4. Fundusfoto im gleichen Ausschnitt wie beim letzten Mal
  5. je nach Befund OCT, Ultraschall und Autofluoreszenz
  6. Vergleich von Durchmesser, Dicke, Farbe und Begleitzeichen
  7. Besprechung, ob alles stabil ist und wann der nächste Termin sein soll

Planen Sie etwa eine bis zwei Stunden ein und kommen Sie wegen der Tropfen nicht mit dem eigenen Auto.

Was passiert, wenn sich unter dem Nävus Gefäße bilden?

Wachsen undichte neue Gefäße unter dem Nävus (choroidale Neovaskularisation), werden sie meist mit Medikamenten-Spritzen ins Auge behandelt. Diese sogenannten Anti-VEGF-Medikamente bremsen das Gefäßwachstum und lassen Flüssigkeit abfließen, ähnlich wie bei der feuchten Makuladegeneration. Die Spritzen werden unter örtlicher Betäubung gegeben. Eine solche Gefäßneubildung bedeutet nicht, dass der Nävus bösartig wird; die Kontrollen laufen trotzdem weiter.

Was passiert, wenn der Nävus verdächtig wird?

Zeigt ein Nävus Wachstum oder mehrere Risikozeichen, wird er in einem augenonkologischen Zentrum beurteilt. Dort werden die Befunde mit spezialisierter Bildgebung überprüft. Dann gibt es zwei Wege: weiter engmaschig beobachten oder frühzeitig behandeln. Abzuwägen ist das Risiko, ein kleines Melanom wachsen zu lassen, gegen mögliche Sehschäden durch die Behandlung.

Nach spanischen, französischen und amerikanischen Fachquellen wird ein Befund mit nachgewiesenem Wachstum oder mit drei oder mehr Risikozeichen in der Regel wie ein kleines Melanom behandelt. Der französische SFO-Bericht 2022 nennt als Gründe für eine sofortige Bestrahlung: mindestens drei Risikofaktoren, belegtes Wachstum oder eine Lage mehr als 3 Millimeter von Sehnerv und Makula entfernt, wo eine Bestrahlung das Sehen weniger gefährdet.

Wie wird behandelt, wenn ein Melanom entsteht?

Kleine Melanome werden heute meist augenerhaltend bestrahlt. Am häufigsten wird ein Strahlenplättchen mit Ruthenium-106 oder Jod-125 für einige Tage auf die Lederhaut über dem Tumor genäht (Brachytherapie). Eine Alternative ist die Bestrahlung mit Protonen, die etwa an der Charité Berlin oder am Institut Curie in Frankreich angeboten wird. Eine Wärmebehandlung mit Laser allein gilt nach spanischen Fachtexten wegen häufiger Rückfälle nicht als geeignet. Die Entfernung des Auges ist nur bei sehr großen oder komplizierten Tumoren nötig.

Ausführliche Informationen zu Behandlung, Nachsorge und Prognose finden Sie im Artikel über das Aderhautmelanom.

Wer bezahlt die Kontrollen?

In Deutschland ist die Kontrolle eines bekannten Nävus in der Regel eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse, weil sie medizinisch begründet ist. Anders ist es bei einer Vorsorgeuntersuchung des Augenhintergrunds ohne Beschwerden und ohne bekannten Befund: Diese wird oft als Selbstzahlerleistung (IGeL) angeboten, ebenso manche OCT-Untersuchung. Fragen Sie vor der Untersuchung, welche Leistungen die Kasse übernimmt.

In Österreich hängt die Kostenübernahme unter anderem davon ab, ob Sie eine Kassenpraxis oder eine Wahlarztpraxis aufsuchen. Ob einzelne Aufnahmen wie die OCT selbst bezahlt werden müssen, ist nicht einheitlich geregelt. Klären Sie das am besten vorher mit der Praxis oder Ihrer Krankenkasse.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (8)

Wie verläuft ein Aderhautnävus meist?

Die allermeisten Aderhautnävi bleiben ein Leben lang unverändert oder verändern sich nur minimal. Sie beeinträchtigen weder das Sehen noch die Gesundheit. Viele Menschen haben einen Nävus über Jahrzehnte, ohne dass er je Probleme macht. Ruhige Nävi zeigen mit der Zeit oft Drusen und leichte Veränderungen der Pigmentschicht, was Fachleute als Zeichen eines alten, stabilen Befunds werten.

Kann ein Nävus wachsen, ohne gefährlich zu sein?

Ja, ein langsames Wachstum kommt auch bei gutartigen Nävi vor. In einer Langzeitstudie wuchsen etwa 31 von 100 Nävi über 15 Jahre messbar. Gutartiges Wachstum ist sehr langsam: insgesamt höchstens etwa 1 Millimeter über viele Jahre, im Mittel weniger als 0,1 Millimeter pro Jahr, und ohne orangefarbenes Pigment oder Flüssigkeit. Bei jungen Menschen wächst ein Nävus häufiger als bei älteren.

Wann ist Wachstum verdächtig?

Verdächtig ist ein schnelles Wachstum innerhalb von Monaten bis zwei Jahren, besonders wenn neue Risikozeichen hinzukommen. Als messbares Wachstum gilt eine Zunahme von Durchmesser oder Dicke um mindestens 0,5 Millimeter innerhalb von höchstens zwei Jahren. Eine Studie an 86 Betroffenen fand, dass eine Dickenzunahme von mehr als 0,5 Millimeter oder 20 Prozent pro Jahr mit ungünstigen Tumoreigenschaften einherging. Nicht jedes Wachstum bedeutet aber Krebs; es wird dann genauer untersucht.

Wie hoch ist das Risiko, dass ein Melanom entsteht?

Für einen durchschnittlichen Nävus liegt das Risiko bei etwa 1 zu 8.845 pro Jahr, also deutlich unter 1 Prozent. Diese Schätzung aus den USA wird in deutschen, englischen und spanischen Quellen gleichermaßen genannt. Bei über 70-Jährigen ist es höher, etwa 1 zu 3.000 pro Jahr. Über das ganze Leben gerechnet liegt das Risiko bei Hochbetagten nahe 1 Prozent.

Das Risiko steigt stark mit der Dicke. In einer großen Auswertung entwickelte sich innerhalb von zehn Jahren aus 2,2 Prozent der flachen Nävi (bis 1 Millimeter) ein Melanom, aus 10,9 Prozent der Nävi mit 1,1 bis 2 Millimeter und aus 40,2 Prozent der Befunde mit 2,1 bis 3 Millimeter Dicke. Fachleute sagen deshalb: Jeder Millimeter zählt.

Warum widersprechen sich die Zahlen?

Die Zahlen hängen davon ab, wer untersucht wurde. Aus großen Tumorzentren, in die vor allem auffällige Nävi überwiesen werden, stammen hohe Werte, etwa 5,8 Prozent Umwandlung nach fünf und 13,9 Prozent nach zehn Jahren bei 3.806 Nävi. Studien in der Allgemeinbevölkerung finden viel niedrigere Werte. In der Grazer Registerstudie wuchsen während der Beobachtungszeit 8 von 401 Nävi, und nur einer wurde zum Melanom. Für Sie als Einzelperson ist entscheidend, welche Risikozeichen Ihr eigener Nävus hat.

Welche Komplikationen kann der Nävus selbst haben?

Die wichtigste Komplikation ist eine Gefäßneubildung unter der Netzhaut, vor allem bei Nävi unter der Netzhautmitte. Nach französischen Daten trat sie bei solchen Nävi in 15 Jahren bei etwa 26 von 100 auf. Daneben können sich Flüssigkeit unter der Netzhaut, kleine Blutungen und Veränderungen der Pigmentschicht bilden. Ein bleibender deutlicher Sehverlust ist selten.

Wie lange muss ein Nävus kontrolliert werden?

Ein Leben lang. Eine Umwandlung kann noch nach fünf, zehn oder sogar dreißig Jahren auftreten. In einem Fallbericht aus Bonn wurde ein Nävus mit 43 Jahren entdeckt und blieb über 30 Jahre bei jährlichen Kontrollen stabil. Dann wuchs er innerhalb eines Jahres von 1,45 auf 2,1 Millimeter, Flüssigkeit und orangefarbenes Pigment kamen hinzu, und es wurde ein Melanom festgestellt. Weil es früh erkannt wurde, konnte es mit Protonen bestrahlt werden, Absiedlungen fanden sich nicht.

Wie ist die Prognose, wenn doch ein Melanom entsteht?

Wird ein Melanom klein erkannt, sind die Aussichten deutlich besser als bei großen Tumoren. Bei kleinen Melanomen bildeten sich in einer großen Serie nach 5, 10 und 20 Jahren bei 6, 12 und 20 von 100 Betroffenen Absiedlungen. In einer Serie des Institut Curie lebten nach zehn Jahren 91 von 100 Menschen mit einem kleinen Melanom. Bei großen Tumoren sind die Zahlen deutlich ungünstiger.

Diese Werte gelten für bereits entstandene Melanome, nicht für Menschen mit einem harmlosen Nävus. Dass frühe Behandlung das Überleben verbessert, ist noch nicht endgültig bewiesen, viele Daten sprechen aber dafür. Genau deshalb sind die Kontrollen so wichtig.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (8)

Kann man einem Aderhautnävus vorbeugen?

Nein, einem Aderhautnävus kann man nicht vorbeugen. Er ist eine angelegte Eigenheit der Aderhaut und entsteht nicht durch Verhalten, Ernährung oder Lebensstil. Auch für die seltene Umwandlung in ein Melanom ist keine wirksame Vorbeugung bekannt. Was Sie tun können, ist Früherkennung.

Was hilft wirklich?

Das Wichtigste ist, die vereinbarten Kontrolltermine einzuhalten, auch wenn Sie keine Beschwerden haben. Einzelne Fallberichte beschreiben Menschen, die Kontrollen ausgelassen haben und bei denen Jahre später ein Melanom festgestellt wurde. Bei regelmäßigen Kontrollen wäre es vermutlich früher aufgefallen. Notieren Sie den nächsten Termin und lassen Sie sich gegebenenfalls erinnern.

Wie bewahre ich meine Befunde auf?

Bitten Sie um eine Kopie der Fotos und des Befundberichts und bewahren Sie diese auf. Das erste Foto ist der Maßstab für alle späteren Vergleiche. Wenn Sie umziehen, die Praxis wechseln oder ins Ausland gehen, kann die neue Ärztin oder der neue Arzt nur mit den alten Bildern beurteilen, ob sich etwas verändert hat. Ein britisches Kliniken-Merkblatt empfiehlt das ausdrücklich, etwa beim Wechsel des Optikers.

Welche Fragen sollten Sie bei der Kontrolle stellen?

Gezielte Fragen helfen Ihnen, Ihren Befund einzuordnen:

  • Wie groß und wie dick ist mein Nävus, und hat er sich verändert?
  • Hat er Risikozeichen wie Flüssigkeit, orangefarbenes Pigment oder ein auffälliges Ultraschallbild?
  • Hat er Drusen oder einen Halo?
  • Welche Untersuchungen werden gemacht, und wie oft?
  • Wann ist die nächste Kontrolle?
  • Bei welchen Beschwerden soll ich früher kommen?
  • Kann ich eine Kopie der Fotos bekommen?

Sollte ich auch meine Haut kontrollieren lassen?

Wenn Sie viele oder ungewöhnliche Muttermale auf der Haut haben, ist eine Hautkrebsvorsorge sinnvoll. Ein dysplastisches Nävussyndrom der Haut gilt als Risikofaktor für Melanome, auch am Auge. Umgekehrt bedeutet ein Aderhautnävus allein nach den vorliegenden Quellen kein erhöhtes Risiko für Hautkrebs. Das Hautkrebs-Screening ist in Deutschland ab 35 Jahren alle zwei Jahre eine Kassenleistung.

Ab wann ist ein Blick in den Augenhintergrund sinnvoll?

Deutsche Augenärzte empfehlen eine Untersuchung des Augenhintergrunds ab etwa 40 Jahren in regelmäßigen Abständen. Das gilt besonders für Menschen mit hellen Augen, bekannten Pigmentflecken im Auge oder Augenmelanomen in der Familie. Die amerikanische Fachseite EyeWiki rät zu einer ersten Untersuchung mit erweiterter Pupille schon im frühen Erwachsenenalter. So werden auch andere Erkrankungen wie ein Grüner Star früh entdeckt.

Schränkt ein Aderhautnävus den Alltag ein?

Nein. Ein unauffälliger Nävus hat keinen Einfluss auf Autofahren, Sport, Beruf, Bildschirmarbeit, Schwangerschaft oder Reisen. Sie müssen nichts meiden und keine besonderen Medikamente nehmen. Eine Sonnenbrille ist für die Augen generell angenehm und sinnvoll, schützt aber nach heutigem Wissen nicht vor Veränderungen des Nävus.

Wie gehe ich mit der Sorge um?

Es ist verständlich, wenn das Wort „Tumor“ im Befund zunächst Angst macht. Hilfreich ist es, sich die Zahlen vor Augen zu halten: Die allermeisten Nävi bleiben harmlos, und die seltenen Veränderungen werden durch die Kontrollen in aller Regel früh entdeckt. Fragen Sie Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt, welche Risikozeichen Ihr eigener Nävus hat und was das für Sie bedeutet. Konkrete Antworten beruhigen meist mehr als allgemeine Sätze.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (5)

Ist ein Aderhautnävus ein Notfall?

Nein, ein Aderhautnävus ist kein Notfall, auch nicht, wenn er gerade neu entdeckt wurde. Ein unauffälliger Zufallsbefund wird bei einem regulären Termin weiter abgeklärt. Bestimmte neue Beschwerden sollten Sie aber zeitnah oder sofort untersuchen lassen, weil sie auf eine Veränderung des Nävus oder auf eine andere Erkrankung hinweisen können. Eine Übersicht aller Warnzeichen am Auge finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.

Wann sofort zum Augenarzt oder in die Augenklinik?

Sofort, also noch am selben Tag, sollten Sie sich untersuchen lassen bei:

  • einem Schatten, Schleier oder Vorhang, der sich im Gesichtsfeld ausbreitet
  • plötzlich vielen neuen Punkten, Rußregen oder Lichtblitzen, besonders zusammen mit einem Schatten
  • einem plötzlichen, deutlichen Sehverlust auf einem Auge
  • starken Augenschmerzen, einem roten Auge mit Sehverschlechterung, Übelkeit oder Kopfschmerzen

Diese Zeichen können auf eine Netzhautablösung, eine Glaskörperblutung oder einen akuten Glaukomanfall hinweisen. Sie haben meist nichts mit dem Nävus zu tun, brauchen aber rasche Hilfe. Außerhalb der Sprechzeiten ist die nächste Augenklinik oder der augenärztliche Bereitschaftsdienst zuständig.

Wann innerhalb weniger Tage?

Innerhalb weniger Tage sollten Sie einen Termin vereinbaren, wenn auf dem Auge mit dem Nävus neu auftreten:

  • verschwommenes oder schlechteres Sehen
  • verzerrtes Sehen, wellige Linien
  • ein fester grauer oder dunkler Fleck im Bild
  • leicht vermehrte Schwebeteilchen ohne andere Beschwerden

Treten Lichtblitze oder viele Schwebeteilchen zum ersten Mal und plötzlich auf, lassen Sie das möglichst noch am selben oder am nächsten Tag ansehen, auch ohne Schatten. Dahinter kann ein Netzhautriss stecken, der rasch behandelt werden sollte.

Sagen Sie bei der Terminvereinbarung, dass ein Aderhautnävus bekannt ist. Dann kann die Praxis die Dringlichkeit besser einschätzen.

Wann reicht der nächste Routinetermin?

Ohne neue Beschwerden reicht der vereinbarte Kontrolltermin. Das gilt auch, wenn Sie den Nävus gerade erst bei einer Untersuchung beim Optiker oder einer anderen Praxis erfahren haben: Vereinbaren Sie dann einen regulären Termin bei einer Augenärztin oder einem Augenarzt mit Fundusfoto. Wurde Ihnen bei der Kontrolle ein Wachstum oder ein neues Risikozeichen mitgeteilt, nehmen Sie die empfohlene Überweisung an ein Augentumorzentrum zeitnah wahr. Britische Vorgaben sehen bei Verdacht auf ein Melanom einen Termin innerhalb von zwei Wochen vor.

Was sollten Sie zum Termin mitnehmen?

Nehmen Sie alle früheren Befunde und Fotos des Nävus mit, ebenso Ihre aktuelle Brille und eine Liste Ihrer Medikamente. Planen Sie eine Begleitperson oder öffentliche Verkehrsmittel ein, weil die Pupillen erweitert werden. Notieren Sie vorher, seit wann welche Beschwerden bestehen und auf welchem Auge.

9 Häufige Fragen

Ist ein Muttermal im Auge gefährlich?

Meist nicht. Ein Aderhautnävus ist ein häufiger, gutartiger Befund, der in den allermeisten Fällen ein Leben lang harmlos bleibt. Nur sehr selten, geschätzt bei etwa 1 von 9.000 Nävi pro Jahr, entwickelt sich daraus ein Aderhautmelanom. Deshalb wird er regelmäßig kontrolliert.

Wie häufig ist ein Aderhautnävus?

Etwa 4 bis 8 von 100 Erwachsenen mit heller Haut haben mindestens einen Aderhautnävus, je nach Untersuchungsmethode auch mehr. Bei Menschen mit dunkler Haut ist er deutlich seltener. Er ist der häufigste gutartige Tumor im Inneren des Auges.

Muss ein Aderhautnävus entfernt werden?

Nein. Ein unauffälliger Nävus wird nicht entfernt und nicht behandelt, sondern beobachtet. Ein Eingriff unter der Netzhaut würde das Sehen mehr gefährden als der Nävus selbst. Behandelt wird nur, wenn sich ein Melanom entwickelt oder sich undichte Gefäße bilden.

Wie oft muss ein Aderhautnävus kontrolliert werden?

Nach der Entdeckung je nach Befund nach 3, 6 oder 12 Monaten, danach bei unauffälligem Befund jährlich und bei langer Stabilität teils alle zwei Jahre. Bei Risikozeichen sind Abstände von drei bis sechs Monaten üblich. Ein einheitliches Schema für Deutschland und Österreich gibt es nicht; Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt legt den Abstand fest.

Woran erkenne ich, dass ein Aderhautnävus bösartig wird?

Selbst oft gar nicht, weil Veränderungen anfangs keine Beschwerden machen. Mögliche Warnzeichen sind neue Sehverschlechterung, verzerrtes Sehen, Lichtblitze oder Schatten. Ärztinnen und Ärzte achten bei der Kontrolle auf Dicke über 2 Millimeter, Flüssigkeit unter der Netzhaut, orangefarbenes Pigment, ein hohles Ultraschallbild, einen Durchmesser über 5 Millimeter und Wachstum.

Was bedeutet TFSOM-DIM beim Aderhautnävus?

TFSOM-DIM ist eine Merkhilfe für Augenärzte und steht für „To Find Small Ocular Melanoma – Doing IMaging“. Sie fasst sechs Risikozeichen zusammen: Dicke, Flüssigkeit, Symptome, orangefarbenes Pigment, hohles Ultraschallbild und Durchmesser. Je mehr davon vorliegen, desto höher ist das Risiko einer Umwandlung in ein Melanom.

Kann ein Aderhautnävus wachsen?

Ja, ein langsames Wachstum über viele Jahre kommt bei etwa einem Drittel der Nävi vor und ist nicht automatisch gefährlich. Verdächtig ist ein schnelles Wachstum innerhalb von Monaten bis zwei Jahren, vor allem zusammen mit Flüssigkeit oder orangefarbenem Pigment. Deshalb ist der Vergleich mit dem ersten Foto so wichtig.

Kann ein Aderhautnävus das Sehen verschlechtern?

Selten. Liegt der Nävus in der Makula, kann Flüssigkeit oder eine Gefäßneubildung unter der Netzhaut das Sehen verschlechtern. Undichte Gefäße lassen sich meist mit Spritzen ins Auge behandeln. Die meisten Nävi beeinflussen das Sehen nie.

Ist ein Aderhautnävus erblich?

In der Regel nicht; eine familiäre Häufung ist nur in Einzelfällen beschrieben. Wenn in Ihrer Familie Aderhautmelanome vorkommen, ist das aber ein Risikofaktor, den Sie bei der Kontrolle ansprechen sollten.

Zahlt die Krankenkasse die Kontrolle eines Aderhautnävus?

In Deutschland ist die Kontrolle eines bekannten Nävus als medizinisch begründete Untersuchung in der Regel Kassenleistung. Eine Vorsorge des Augenhintergrunds ohne Befund und manche OCT-Untersuchungen werden dagegen oft als Selbstzahlerleistung angeboten. In Österreich hängt das unter anderem davon ab, ob Sie eine Kassen- oder Wahlarztpraxis aufsuchen; fragen Sie vorher nach, ob einzelne Aufnahmen extra kosten.

Was ist der Unterschied zwischen Aderhautnävus und Aderhautmelanom?

Der Nävus ist gutartig, flach, klein und verändert sich kaum. Das Melanom ist ein bösartiger Tumor, der wächst und streuen kann. Kleine Melanome und große Nävi sehen sich ähnlich; unterschieden werden sie vor allem durch Risikozeichen in der Bildgebung und durch Wachstum im Verlauf. Mehr dazu im Artikel über das Aderhautmelanom.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 28 Quellen anzeigen
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  2. Aderhautmelanom – Ein Ratgeber für Patientinnen und Patienten (2025) – Universitätsklinikum Heidelberg / Nationale Versorgungskonferenz Hautkrebs, DOG-Sektion Ophthalmologische Onkologie (DE)
  3. Eine prospektive Aderhautnaevus-Registerstudie (PROCHORN) – Ablaufevaluierung und Zwischenergebnisse – Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Augenheilkunde (DE)
  4. Transformation eines Aderhautnävus in ein Aderhautmelanom nach Jahrzehnten – Der Ophthalmologe (Springer Medizin), 2022 (DE)
  5. Aderhautnävi – KUM-Kompass, Augenklinik des LMU Klinikums München (DE)
  6. Zentrum für intraokulare Tumore im Kindes- und Erwachsenenalter (Expertisezentrum) – gesundheit.gv.at – Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (DE)
  7. Netzhauttumoren – MSD Manual, Ausgabe für Patienten (DE)
  8. Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) – Techniker Krankenkasse (DE)
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  25. Nevus de coroides (Libro de formación de residentes, Retina 7.4) – Sociedad Española de Oftalmología (SEO) (ES)
  26. Tumores melanocíticos coroideos benignos: nevus y melanocitoma (Protocolos 2023, capítulo 4.5) – Sociedad Española de Oftalmología (SEO) (ES)
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  28. Choroidal melanoma – Cancer Center Clínica Universidad de Navarra (ES)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss