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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Tumoren am Auge

Tochtergeschwülste in der Aderhaut (Aderhautmetastasen)

Aderhautmetastasen sind Absiedlungen einer Krebserkrankung aus einem anderen Organ, meist aus Brust oder Lunge, in der Aderhaut des Auges. Sie sind der häufigste bösartige Tumor im Augeninneren von Erwachsenen, äußern sich oft durch verschwommenes Sehen oder Lichtblitze und lassen sich in den meisten Fällen so behandeln, dass Auge und Sehen erhalten bleiben.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 38 Minuten · 33 Quellen in 4 Sprachen

Dringend: Neue Sehstörungen bei einer bekannten Krebserkrankung sollten innerhalb weniger Tage augenärztlich abgeklärt werden; ein plötzlicher Schatten, Vorhang oder Sehverlust gehört noch am selben Tag untersucht. Wann sofort zum Arzt?

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (7)

Was sind Aderhautmetastasen?

Aderhautmetastasen sind Tochtergeschwülste einer Krebserkrankung, die an anderer Stelle im Körper entstanden ist und über das Blut bis ins Auge gestreut hat. Sie siedeln sich in der Aderhaut an, einer stark durchbluteten Gefäßschicht zwischen der Netzhaut innen und der weißen Lederhaut außen. Die Aderhaut versorgt die Sinneszellen der Netzhaut mit Sauerstoff. Weil so viel Blut durch sie fließt, bleiben dort leichter Krebszellen hängen als in anderen Teilen des Auges.

Wichtig ist der Unterschied zum Augenkrebs im engeren Sinn: Eine Aderhautmetastase ist kein Tumor, der im Auge entstanden ist. Unter dem Mikroskop besteht sie aus Zellen des ursprünglichen Krebses, also zum Beispiel aus Brustkrebs- oder Lungenkrebszellen. Deshalb richtet sich auch die Behandlung in erster Linie nach dieser Ursprungserkrankung.

Wie häufig sind Metastasen im Auge?

Metastasen sind der häufigste bösartige Tumor im Augeninneren von Erwachsenen, häufiger als das Aderhautmelanom. Das Aderhautmelanom ist dagegen der häufigste bösartige Tumor, der im Auge selbst entsteht. Bei etwa 8 bis 10 Prozent der Menschen mit gestreuter Krebserkrankung findet sich ein Befall des Auges; in Untersuchungen nach dem Tod liegen die Werte je nach Studie zwischen 4 und 12 Prozent.

Beschwerden haben deutlich weniger Betroffene, weil viele Herde klein sind oder abseits der Stelle des schärfsten Sehens liegen. Fachleute gehen davon aus, dass ein Teil der Metastasen nie entdeckt wird, weil die Augen bei schwer kranken Menschen nicht routinemäßig gespiegelt werden. Die Zahl der Diagnosen nimmt zu, weil Krebskranke heute länger leben und die Bildgebung besser geworden ist.

Welche Krebsarten streuen ins Auge?

Am häufigsten stammen Aderhautmetastasen von Brustkrebs bei Frauen und von Lungenkrebs bei Männern. Zusammen machen diese beiden Krebsarten je nach Studie 70 bis 90 Prozent aller Fälle aus. Seltener sind Krebserkrankungen von Niere, Darm und Magen, Prostata, Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse, Haut (schwarzer Hautkrebs), Eierstock, Gebärmutterhals oder Hoden sowie Karzinoide, eine Form der neuroendokrinen Tumoren.

UrsprungsorganAnteil in einer großen Serie (1.111 Betroffene, 2018)
Brust37 Prozent
Lunge27 Prozent
Niere4 Prozent
Magen-Darm-Trakt4 Prozent
Schwarzer Hautkrebs2 Prozent
Lungen-Karzinoid2 Prozent
Prostata2 Prozent
Schilddrüse, Bauchspeicheldrüseje etwa 1 Prozent
Bei Diagnose unbekannt16 Prozent

In älteren amerikanischen Serien stammten bei Frauen gut zwei Drittel der Augenmetastasen von Brustkrebs, bei Männern rund 40 Prozent von Lungenkrebs. In Serien aus Asien ist Lungenkrebs insgesamt die häufigste Ursache. Blutkrebs und Lymphome können das Auge ebenfalls befallen; sie werden aber als eigene Krankheitsbilder behandelt, etwa beim Lymphom am Auge.

Wo im Auge sitzen die Metastasen?

Rund 80 bis 90 Prozent aller Metastasen im Auge liegen in der Aderhaut, meist im hinteren Teil des Auges nahe der Makula (Stelle des schärfsten Sehens) oder dem Sehnervenkopf. Etwa 9 Prozent betreffen die Regenbogenhaut (Iris), rund 2 Prozent den Strahlenkörper (Ziliarkörper), der das Kammerwasser bildet. Netzhaut, Glaskörper und Sehnerv sind nur selten betroffen. Aderhaut, Iris und Ziliarkörper bilden gemeinsam die Uvea, die mittlere Augenhaut.

Ein Auge oder beide, ein Herd oder mehrere?

Meist ist zunächst nur ein Auge mit einem einzelnen Herd betroffen. In 20 bis 50 Prozent der Fälle finden sich aber Herde in beiden Augen, und bei etwa einem Drittel liegen in einem Auge mehrere Herde. Brustkrebs-Metastasen sind deutlich häufiger beidseitig und mehrherdig als Lungenkrebs-Metastasen. Darum untersucht die Augenärztin oder der Augenarzt immer beide Augen gründlich.

Wie ernst ist die Diagnose?

Eine Aderhautmetastase zeigt in aller Regel an, dass eine Krebserkrankung im Körper gestreut hat. Bei etwa vier von fünf Betroffenen gibt es gleichzeitig Metastasen in anderen Organen, zum Beispiel in Knochen, Leber, Lunge oder Gehirn. Die Diagnose ist deshalb ein Einschnitt, der viele Fragen und Ängste auslöst.

Zugleich haben sich die Behandlungsmöglichkeiten verbessert. Moderne Krebsmedikamente wirken oft auch im Auge, und Bestrahlung bringt die meisten Herde zur Rückbildung. In den allermeisten Fällen bleibt das Auge erhalten, und vielen Betroffenen bleibt ein gut nutzbares Sehen. Ziel der Behandlung ist, dass das Auge die Lebensqualität möglichst wenig einschränkt.

Kann das Auge das erste Zeichen einer Krebserkrankung sein?

Ja, bei etwa einem Viertel bis einem Drittel der Betroffenen ist vor der Augenuntersuchung noch keine Krebserkrankung bekannt. Das gilt besonders für Lungenkrebs: Hier ist das Auge in einem Drittel bis fast der Hälfte der Fälle der erste Hinweis. Bei Brustkrebs ist die Erkrankung dagegen meist seit Jahren bekannt, wenn das Auge betroffen ist. Mehr dazu steht im Abschnitt zu den Ursachen.

2 Symptome

In diesem Kapitel (19)

Welche Beschwerden verursachen Aderhautmetastasen?

Das häufigste Zeichen ist verschwommenes Sehen auf einem Auge; je nach Studie berichten zwei Drittel bis fast alle Betroffenen mit Beschwerden darüber. Dazu kommen Lichtblitze, schwarze Punkte oder Flocken im Blickfeld, verzerrtes Sehen, Schatten oder Ausfälle im Gesichtsfeld und seltener Schmerzen. Viele Herde machen aber anfangs gar keine Beschwerden. Welche Symptome auftreten, hängt vor allem davon ab, wo der Herd sitzt und ob sich Flüssigkeit unter der Netzhaut sammelt.

Übersicht: Beschwerden nach Häufigkeit

Die folgende Tabelle fasst Angaben aus mehreren Fallserien zusammen. Die Zahlen schwanken stark, weil manche Studien in Augenkliniken und andere in Krebszentren entstanden sind.

BeschwerdeWie häufig?Typisches Erleben
Verschwommenes oder unscharfes Sehensehr häufig, etwa 66 bis 98 Prozent der Betroffenen mit BeschwerdenWie durch eine verschmierte Brille, oft nur auf einem Auge
Nachlassende SehschärfehäufigLesen, Fernsehen oder Gesichter erkennen fällt schwerer
Gesichtsfeldausfall, Schatten, VorhanghäufigEin Teil des Bildes fehlt oder ist abgedunkelt
Verzerrtes Sehenhäufig, besonders bei Herden nahe der MakulaGerade Linien wirken wellig oder geknickt
Lichtblitze, schwarze Punkte, Flockenetwa jeder ZehnteBlitze am Rand des Blickfelds, „fliegende Mücken“
Augenschmerzenselten, etwa 5 bis 14 ProzentDruck- oder Bohrschmerz, oft mit rotem Auge
Rotes Auge, LichtscheuseltenWie bei einer Entzündung im Auge
Doppelbilder, hervortretendes Augeselten, meist bei Befall der AugenhöhleBilder stehen versetzt, das Auge wirkt vorgeschoben
Keine Beschwerdenje nach Studie etwa 6 bis 50 ProzentZufallsbefund bei Augenuntersuchung oder MRT

Warum bleiben Aderhautmetastasen oft lange unbemerkt?

Ein Herd, der weit außen in der Aderhaut liegt, stört das Sehen kaum, weil die Netzhaut dort nur grob auflöst. Das gesunde zweite Auge gleicht kleine Ausfälle zudem aus, sodass man sie im Alltag mit beiden Augen offen nicht bemerkt. Erst wenn der Herd wächst, an die Makula heranreicht oder Flüssigkeit unter die Netzhaut drückt, wird es auffällig. Deshalb werden viele Aderhautmetastasen zufällig entdeckt, etwa bei einer Augenspiegelung oder auf einer Kernspintomographie (MRT) des Kopfes, die eigentlich wegen Hirnmetastasen gemacht wurde.

Wie groß der Anteil ohne Beschwerden ist, ist nicht genau bekannt. Eine spanische Übersicht nennt rund 50 Prozent, andere Fallserien und Übersichten nur 6 bis 13 Prozent. In einer jordanischen Studie an Frauen mit Brustkrebs wurden 42 Prozent der Augen- und Augenhöhlenmetastasen zuerst auf einem MRT entdeckt.

Wie fühlt sich das verschwommene Sehen an?

Die meisten Betroffenen beschreiben ein Auge, das „nicht mehr richtig scharf stellt“, ohne dass eine neue Brille hilft. Kleine Schrift verschwimmt, Kontraste werden flauer, Gesichter wirken auf diesem Auge weniger deutlich. Die Verschlechterung entwickelt sich typischerweise über Tage bis Wochen, manchmal schneller. Viele bemerken sie erst, wenn sie zufällig das gesunde Auge zuhalten.

Ursache ist meist Flüssigkeit, die aus dem Tumor unter die Netzhaut sickert und die Sinneszellen anhebt. Fachleute sprechen von einer serösen oder exsudativen Netzhautabhebung. Sie findet sich bei etwa drei Vierteln der Betroffenen, in einer chinesischen Serie bei über 80 Prozent, und ist der wichtigste Grund für den Sehverlust.

Verzerrtes Sehen

Verzerrtes Sehen (Metamorphopsie) bedeutet, dass gerade Linien wellig, gebogen oder geknickt erscheinen. Türrahmen, Fliesenfugen, Zeilen im Buch oder Fensterkreuze wirken verbogen, manchmal sehen Gegenstände kleiner oder größer aus als mit dem anderen Auge. Dieses Zeichen deutet darauf hin, dass die Makula betroffen ist, entweder durch den Herd selbst oder durch Flüssigkeit darunter. In Serien zu Lungenkrebs-Metastasen fiel es besonders häufig auf, und je nach Studie lagen 12 bis 40 Prozent der Herde im Bereich der Makula.

Lichtblitze, Punkte und Flocken

Lichtblitze (Photopsien) entstehen, wenn die Netzhaut durch Zug oder Flüssigkeit gereizt wird; sie werden wie kurze Blitze, Funken oder ein Flackern am Rand des Blickfelds wahrgenommen. Manche Menschen sehen zusätzlich schwarze Punkte, Fäden oder Flocken, die mit der Augenbewegung mitschwimmen (Mouches volantes). In einer großen Serie hatten etwa 12 Prozent diese Kombination. In einem französischen Fallbericht beschrieb eine 66-jährige Frau Lichtblitze vor allem auf der Schläfenseite, bevor die Sehschärfe über drei Wochen deutlich nachließ.

Die gleichen Beschwerden treten auch bei einer harmlosen Glaskörperabhebung oder bei einer klassischen Netzhautablösung durch ein Loch in der Netzhaut auf. Sie lassen sich ohne Untersuchung nicht voneinander unterscheiden. Neue Lichtblitze gehören deshalb immer rasch augenärztlich abgeklärt, ob mit oder ohne Krebserkrankung.

Schatten, Vorhang und Gesichtsfeldausfälle

Ein Schatten oder Vorhang, der von einer Seite ins Blickfeld ragt, zeigt meist an, dass sich die Netzhaut in einem größeren Bereich abgehoben hat. Bei Aderhautmetastasen ist die abgehobene Netzhaut glatt und die Flüssigkeit kann sich je nach Kopf- und Körperhaltung verlagern. Der Schatten kann sich deshalb verändern, etwa nach längerem Liegen anders sein als nach Stunden im Sitzen oder Stehen.

Kleinere Herde verursachen eher einen umschriebenen dunklen oder blinden Fleck (Skotom). Er fällt oft erst auf, wenn ein Wort beim Lesen „verschwindet“ oder Stufen schwer einzuschätzen sind.

Ein französischer Fallbericht schildert eine 73-jährige Frau unter laufender Chemotherapie, deren Gesichtsfeld sich an beiden Augen innerhalb von weniger als zwei Wochen einengte. Solche raschen Verläufe sind nicht die Regel, zeigen aber, warum neue Ausfälle nicht abgewartet werden sollten.

Plötzlicher starker Sehverlust

Ein ausgeprägter Sehverlust innerhalb weniger Tage kommt vor, wenn der Herd direkt unter der Makula liegt oder wenn sich die Netzhaut großflächig abhebt. Betroffene sehen auf dem Auge dann manchmal nur noch Handbewegungen oder Hell und Dunkel. In einer Serie aus Peking hatten alle Betroffenen bei der ersten Vorstellung Beschwerden, und bei manchen war das Sehen bereits stark eingeschränkt. Aderhautmetastasen können innerhalb von Wochen wachsen, deutlich schneller als ein Aderhautmelanom.

Schmerzen und rotes Auge

Schmerzen sind bei Aderhautmetastasen selten; die meisten Herde tun nicht weh. In Serien gaben etwa 7 Prozent Schmerzen an, bei Lungenkrebs etwas mehr als bei Brustkrebs. Schmerzen entstehen vor allem, wenn der Augeninnendruck steigt (Sekundärglaukom), wenn ein Herd in der Regenbogenhaut eine Entzündung auslöst oder wenn der Tumor bei weit fortgeschrittenem Befall in die Augenhöhle wächst.

Ein Druckanstieg zeigt sich durch dumpfe oder bohrende Schmerzen im und um das Auge, ein gerötetes Auge, Kopfschmerzen auf dieser Seite und manchmal Übelkeit. Er gehört noch am selben Tag untersucht, weil er den Sehnerv schädigen kann.

Beschwerden bei Metastasen in Regenbogenhaut und Strahlenkörper

Metastasen in der Regenbogenhaut sind selten und können von außen sichtbar sein: als weiße, rosa oder gelbliche Knötchen, häufig im unteren Teil der Iris. Sie können eine Entzündung im vorderen Augenabschnitt vortäuschen, mit rotem, lichtempfindlichem Auge.

Manchmal bildet sich ein Blutspiegel (Hyphäma) oder ein eiterähnlicher Spiegel aus Tumorzellen (Pseudohypopyon) in der Vorderkammer. Häufig steigt dabei der Augeninnendruck. Metastasen im Strahlenkörper können ebenfalls wie eine Entzündung aussehen oder ein Glaukom auslösen.

Wenn der Sehnerv oder die Netzhaut betroffen ist

Sitzt eine Metastase am Sehnervenkopf, sieht die Papille (Austrittsstelle des Sehnervs) geschwollen aus, und es kommt zu Gesichtsfeldausfällen oder einem raschen Sehverlust. Metastasen in der Netzhaut oder im Glaskörper sind sehr selten. Sie verursachen eher Trübungen und Schleiersehen und können einer Gefäßentzündung, einer Infektion oder einem Lymphom ähneln.

Beschwerden bei Befall der Augenhöhle

Breitet sich ein Tumor in die Augenhöhle (Orbita) aus oder sitzt die Metastase von vornherein dort, treten andere Zeichen in den Vordergrund. Dazu gehören ein geschwollenes oder hängendes Lid, Doppelbilder, ein hervortretendes oder zur Seite gedrücktes Auge und Schmerzen bei Augenbewegungen. In der jordanischen Brustkrebs-Studie hatten 11 Prozent eine Lidschwellung oder ein hängendes Lid, 9 Prozent Doppelbilder und 7 Prozent ein hervortretendes Auge. Metastasen der Augenhöhle sind streng genommen keine Aderhautmetastasen, kommen aber bei denselben Krebsarten vor.

Warum ist die Sehstörung oft nur auf einem Auge?

Weil die meisten Aderhautmetastasen zunächst nur in einem Auge auftreten, betrifft die Sehstörung anfangs fast immer nur eine Seite. Linkes und rechtes Auge sind gleich häufig betroffen. Auch wenn Beschwerden nur an einem Auge bestehen, finden sich im anderen Auge nicht selten kleine Herde ohne Beschwerden. Bei Brustkrebs ist der Befall beider Augen deutlich häufiger als bei Lungenkrebs.

Unterschiede je nach Ursprungskrebs

Brustkrebs- und Lungenkrebs-Metastasen verhalten sich im Auge etwas unterschiedlich, auch wenn das im Einzelfall nicht verlässlich ist.

MerkmalBrustkrebsLungenkrebs
Krebs bereits bekannt?meist ja, oft seit Jahren (in zwei Serien im Mittel 7 bis 8 Jahre)oft nein; das Auge ist in 34 bis 44 Prozent das erste Zeichen
Beide Augen betroffenhäufig (in einer Übersicht 68 Prozent)seltener (in einer Übersicht 18 Prozent)
Zahl der Herdeoft mehrere, flachoft ein einzelner, eher kuppelförmiger Herd
Schmerzenunter 5 Prozentetwa 12 Prozent

Warum werden Symptome bei Krebskranken leicht übersehen?

Menschen mit einer Krebserkrankung haben oft viele andere Beschwerden, und eine Sehstörung wird dann leicht als Müdigkeit oder als Nebenwirkung der Therapie gedeutet. Tatsächlich können auch Chemotherapien, Hormontherapien oder Kortison das Sehen beeinflussen, etwa über trockene Augen oder einen Grauen Star. Hirnmetastasen können ebenfalls Gesichtsfeldausfälle machen. Gerade deshalb ist es wichtig, eine neue Sehstörung nicht einfach einer bekannten Ursache zuzuschreiben, sondern augenärztlich nachsehen zu lassen.

Eine Pariser Studie zu Lungenkrebs fand, dass Aderhautmetastasen auf MRT-Aufnahmen des Kopfes in fünf von sechs Fällen im Nachhinein sichtbar waren, aber meist übersehen wurden. Das Auge liegt am Rand dieser Aufnahmen und steht nicht im Mittelpunkt der Befundung.

Was bemerken Angehörige?

Angehörigen fällt oft zuerst auf, dass sich Betroffene im Alltag anders verhalten: Sie halten beim Lesen ein Auge zu, verlieren die Zeile, greifen beim Einschenken daneben oder stoßen auf einer Seite häufiger an. Die Fachquellen beschreiben dazu keine eigenen Zeichen; diese Hinweise sind aus den typischen Beschwerden abgeleitet. Manche klagen, dass „mit der Brille etwas nicht stimmt“, oder meiden Fernsehen und Zeitung. Ein rotes, schmerzendes Auge oder ein Lid, das plötzlich hängt, fällt Angehörigen oft früher auf als den Betroffenen selbst.

Bei schwer kranken oder sehr müden Menschen ist es hilfreich, gezielt nachzufragen, ob sich das Sehen verändert hat. Viele erwähnen es nicht von sich aus, weil sie die Familie nicht zusätzlich belasten möchten oder es für unwichtig halten.

Gibt es Aderhautmetastasen bei Kindern?

Aderhautmetastasen betreffen praktisch nur Erwachsene, meist zwischen 40 und 70 Jahren. Zu Kindern enthalten die Fachquellen keine verwertbaren Angaben. Bei Kindern stehen andere Tumoren im Auge im Vordergrund, etwa das Retinoblastom, oder ein Befall des Auges bei Leukämie.

Besonderheiten bei älteren Menschen

Bei älteren Menschen werden neue Sehstörungen leicht mit bereits bekannten Augenkrankheiten verwechselt, etwa mit einem Grauen Star oder einer altersabhängigen Makuladegeneration. Auch eine Narbe nach feuchter Makuladegeneration kann einer Metastase ähneln. Wer eine Krebserkrankung hat oder hatte und eine neue oder rasch zunehmende Sehverschlechterung bemerkt, sollte bei der Augenärztin oder dem Augenarzt ausdrücklich auf die Krebserkrankung hinweisen. Erst dann wird gezielt nach einer Metastase gesucht.

Was die Augenärztin oder der Augenarzt sieht

Bei der Spiegelung des Augenhintergrunds zeigt sich eine Aderhautmetastase meist als cremeweißer bis gelblicher, flacher oder leicht erhabener Herd mit unscharfem Rand. Darüber liegt oft eine flache Abhebung der Netzhaut, an der Oberfläche manchmal braune Pigmentflecken. Eine orange oder rosa Farbe kann auf Nieren-, Schilddrüsenkrebs oder ein Karzinoid hinweisen, eine bräunliche Farbe auf schwarzen Hautkrebs. Diese Befunde spüren Betroffene nicht; sie erklären aber, warum eine Untersuchung bei erweiterter Pupille so wichtig ist.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (8)

Wie gelangen Krebszellen ins Auge?

Krebszellen lösen sich vom ursprünglichen Tumor, gelangen ins Blut und bleiben in den feinen Gefäßen der Aderhaut hängen. Die Aderhaut gehört zu den am stärksten durchbluteten Geweben des Körpers. Ihre Gefäße haben zudem durchlässige Wände, durch die Zellen leichter ins Gewebe austreten können. Dort teilen sich die Krebszellen weiter und bilden einen Herd.

Das Blut erreicht das Auge über die Augenarterie und dann über die Ziliararterien. Den hinteren Teil der Aderhaut versorgen rund zwanzig kurze hintere Ziliararterien sehr dicht. Deshalb liegen die meisten Metastasen am hinteren Augenpol, also nahe der Makula und dem Sehnerv, wo sie das Sehen am stärksten stören. Damit Tumoren wachsen können, bilden sie über Botenstoffe wie VEGF neue Blutgefäße; dieser Mechanismus ist auch ein Ansatzpunkt einiger Behandlungen.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Der wichtigste Risikofaktor ist eine Krebserkrankung, die bereits in andere Organe gestreut hat, vor allem Brust- oder Lungenkrebs. Aderhautmetastasen treten am häufigsten auf, wenn mehrere Organe befallen sind. Sie kommen auffallend oft zusammen mit Hirnmetastasen vor; in der jordanischen Brustkrebs-Serie hatten 60 Prozent gleichzeitig Metastasen im Gehirn. Eigene, vom Krebs unabhängige Risikofaktoren am Auge sind nicht bekannt.

Welche Rolle spielt die Art des Brustkrebses?

Bei Brustkrebs scheint der lobuläre Typ (ausgehend von den Drüsenläppchen) häufiger ins Auge zu streuen als der häufigere duktale Typ. In der jordanischen Studie waren Augen- und Augenhöhlenmetastasen bei lobulärem Brustkrebs rund sechsmal so häufig. Insgesamt hatten dort 0,5 Prozent aller Brustkrebs-Patientinnen und 2,4 Prozent derjenigen mit Metastasen einen Befall von Auge oder Augenhöhle.

Wie häufig Frauen mit gestreutem Brustkrebs Metastasen in der Aderhaut haben, wird sehr unterschiedlich angegeben. Ältere Arbeiten nennen teils 10 Prozent und mehr. In einer Berliner Studie von 1998 wurden 120 Betroffene ohne Augenbeschwerden untersucht: 5 Prozent hatten unbemerkte Aderhautmetastasen, bei Streuung in mehrere Organe 11 Prozent. Eine israelische Studie fand 2007 bei 77 Betroffenen mit gestreutem Brustkrebs keine einzige, was die Autoren auf die bessere Krebstherapie zurückführen.

Welche Rolle spielt die Art des Lungenkrebses?

Bei Lungenkrebs ist am häufigsten das Adenokarzinom betroffen, seltener kleinzelliger Lungenkrebs oder Plattenepithelkarzinome.

Eine Studie am Pariser Hôpital Bichat fand bei Lungenkrebs mit einer bestimmten Genveränderung (EGFR-Mutation) bei 8,4 Prozent der Betroffenen Aderhautmetastasen. Sie waren im Mittel 56 Jahre alt, deutlich jünger als die übrigen Patienten mit 70 Jahren, und überwiegend Frauen. Bei dieser Form erkranken auch Menschen, die nie geraucht haben. Die Zahlen beruhen allerdings auf nur sieben Betroffenen.

Wie lange nach der Krebsdiagnose treten Augenmetastasen auf?

Der Abstand hängt stark von der Krebsart ab. Bei Brustkrebs zeigt sich die Augenmetastase meist erst viele Jahre nach der Erstdiagnose; in einer römischen Serie im Mittel nach rund siebeneinhalb Jahren, in einer chinesischen nach etwa acht Jahren; in einer kleinen französischsprachigen Serie lag der Abstand zwischen einem und elf Jahren. Bei Lungenkrebs liegen im Mittel nur Monate bis knapp zwei Jahre dazwischen. Bei etwa 90 Prozent der Frauen mit Brustkrebs-Metastasen im Auge ist der Brustkrebs bereits bekannt, bei Lungenkrebs wird die Grunderkrankung in etwa der Hälfte der Fälle erst nach dem Augenbefund entdeckt.

Was bedeutet „Primärtumor unbekannt“?

Bei einem Teil der Betroffenen ist zum Zeitpunkt der Augendiagnose kein Krebs bekannt; dann wird gezielt nach dem Ursprung gesucht. Je nach Serie gilt das für 25 bis 34 Prozent, in einer spanischen Serie aus Valladolid sogar für 13 von 21 Patienten. Meist findet sich der Ursprung bei der Suche, am häufigsten in der Lunge; in der römischen Serie lag er bei allen zunächst unklaren Fällen dort. Bei etwa 10 Prozent bleibt der Ursprungstumor trotz gründlicher Suche unbekannt.

Sind Aderhautmetastasen ansteckend oder erblich?

Nein. Aderhautmetastasen sind weder ansteckend noch werden sie vererbt. Ob eine erbliche Veranlagung für den ursprünglichen Krebs besteht, etwa bei manchen Brustkrebsformen, ist eine eigene Frage, die mit der Onkologie oder einer genetischen Beratung geklärt wird.

Hat man etwas falsch gemacht, wenn der Krebs ins Auge streut?

Nein. Ob und wohin ein Krebs streut, lässt sich durch das eigene Verhalten nicht steuern, und eine Augenmetastase ist keine Folge versäumter Kontrollen. Auch das Alter ist nicht die Ursache, sondern spiegelt nur wider, in welchem Lebensabschnitt Brust- und Lungenkrebs häufig sind. Dass im Auge eine Metastase auftritt, heißt meist, dass die Krebserkrankung im Körper aktiv ist; die Behandlung wird dann insgesamt neu geplant.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (11)

Wie wird eine Aderhautmetastase festgestellt?

Die Diagnose stellt die Augenärztin oder der Augenarzt in den meisten Fällen anhand des Bildes bei der Spiegelung des Augenhintergrunds, ergänzt durch Ultraschall und optische Kohärenztomographie (OCT). Eine Gewebeprobe ist nur selten nötig. Entscheidend ist die Vorgeschichte: Eine bekannte Krebserkrankung macht die Diagnose sehr wahrscheinlich. Ohne bekannten Krebs folgt eine Suche nach dem Ursprungstumor im Körper.

Das Gespräch zu Beginn

Am Anfang steht die Frage nach früheren und aktuellen Krebserkrankungen, deren Stadium und Behandlung. Wichtig sind auch Allgemeinbeschwerden wie Gewichtsverlust, anhaltender Husten, Atemnot oder Knochenschmerzen. Ein Beispiel aus einem Leitfaden der American Academy of Ophthalmology beschreibt einen 62-jährigen Mann ohne bekannte Krebserkrankung mit Gewichtsverlust und Dauerhusten; bei ihm führte der Augenbefund zur Diagnose eines gestreuten Lungenkrebses. Bringen Sie, wenn möglich, aktuelle Arztbriefe der Onkologie mit.

Spiegelung des Augenhintergrunds

Bei jeder neuen Sehstörung einer Person mit Krebserkrankung sollte der Augenhintergrund bei erweiterter Pupille untersucht werden. Dafür werden Tropfen gegeben, die die Pupille für einige Stunden weit stellen; danach darf man nicht selbst Auto fahren. Untersucht werden immer beide Augen vollständig, weil Herde mehrfach und beidseitig auftreten können.

Typisch sind cremeweiße bis gelbliche, flache, unscharf begrenzte Herde mit Flüssigkeit darunter. Fotos des Augenhintergrunds dokumentieren den Befund für spätere Vergleiche.

Ultraschall des Auges

Der Ultraschall (Echographie, A- und B-Bild) zeigt Größe, Dicke und Form des Herdes und ist auch dann aussagekräftig, wenn der Einblick durch Trübungen oder eine hohe Netzhautabhebung versperrt ist. Der Schallkopf wird mit etwas Gel auf das geschlossene Lid gesetzt, die Untersuchung ist schmerzfrei. Aderhautmetastasen sind meist flach oder plateauförmig, im Mittel etwa 3 bis 4 Millimeter dick, und zeigen innen eine mittlere bis hohe Reflektivität. Das hilft bei der Abgrenzung zum Aderhautmelanom, das meist höher ist, innen dunkler erscheint und oft eine typische Aushöhlung der Aderhaut zeigt.

Optische Kohärenztomographie (OCT)

Die OCT ist eine berührungsfreie Schichtaufnahme der Netzhaut mit Licht, die feine Veränderungen über dem Herd sichtbar macht. Typisch für Metastasen ist eine wellige, „höckerige“ Oberfläche, die im Englischen „lumpy bumpy“ genannt wird, dazu Flüssigkeit unter der Netzhaut und eine zusammengedrückte Kapillarschicht der Aderhaut.

Bei kleinen Herden kann die OCT empfindlicher sein als der Ultraschall, besonders mit tiefenverstärkten Verfahren (EDI-OCT, Swept-Source-OCT). In der römischen Serie fand die OCT Flüssigkeit unter der Netzhaut bei 91 Prozent der Augen, häufiger als der Ultraschall. Die OCT eignet sich auch gut, um den Verlauf nach der Behandlung zu verfolgen.

Angiographie und weitere Aufnahmen

Bei der Fluoreszenzangiographie wird ein Farbstoff in eine Armvene gespritzt und seine Verteilung in den Gefäßen des Auges fotografiert. Metastasen erscheinen anfangs eher dunkel und färben sich später an, manchmal mit feinen Punkten an der Oberfläche. Die doppelte Gefäßfüllung, die beim Melanom häufig ist, fehlt meist.

Ergänzend kommen die Indocyaningrün-Angiographie, Aufnahmen der Eigenfluoreszenz und die OCT-Angiographie hinzu, bei der im Herd meist kein Blutfluss zu sehen ist. Keines dieser Verfahren ist für sich allein beweisend; erst das Gesamtbild führt zur Diagnose.

MRT und CT

Für die Diagnose am Auge selbst sind MRT und CT nur selten nötig. Sie helfen, wenn der Tumor die Lederhaut durchbricht oder in die Augenhöhle wächst, und können in Einzelfällen bei der Abgrenzung zum Melanom unterstützen. Viel wichtiger sind MRT und CT bei der Untersuchung des übrigen Körpers, besonders des Gehirns.

Suche nach dem Ursprungstumor und weiteren Metastasen

Weil die meisten Betroffenen weitere Metastasen haben, wird der ganze Körper untersucht; das nennt man Staging oder Re-Staging. Die Augenärztin oder der Augenarzt überweist dazu rasch an die Onkologie oder Innere Medizin. Ist der Krebs bekannt, wird geprüft, wie weit er sich ausgebreitet hat. Ist er unbekannt, wird gezielt gesucht.

  • Blutuntersuchungen einschließlich Blutbild, Leber- und Nierenwerten
  • Bildgebung der Lunge, meist als CT des Brustkorbs, weil Lungenkrebs die häufigste unerkannte Ursache ist
  • CT von Bauch und Becken
  • bei Frauen Mammographie und Ultraschall der Brust
  • MRT oder CT des Kopfes wegen möglicher Hirnmetastasen
  • je nach Lage eine Positronen-Emissions-Tomographie mit CT (PET-CT)

In Deutschland und Österreich wird der Befund meist in einer interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen, wie sie Krebszentren und spezialisierte Augentumor-Teams vorsehen, in Frankreich entsprechend in der „réunion de concertation pluridisciplinaire“ eines Referenzzentrums. Dort legen Fachleute aus Onkologie, Strahlentherapie und Augenheilkunde das gemeinsame Vorgehen fest.

Wann ist eine Gewebeprobe nötig?

Eine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem Auge ist nur nötig, wenn trotz gründlicher Suche kein Ursprungstumor gefunden wird oder der Herd nicht eindeutig einzuordnen ist. Sie wird meist mit einer feinen Nadel oder einem Schneidegerät über den Glaskörper entnommen. In einer amerikanischen Serie war das nur bei einem von 26 Patienten erforderlich.

Die Probe zeigt oft, aus welchem Organ der Krebs stammt, aber nicht immer, weil die Zellen schlecht ausgereift sein können. Manche Quellen, etwa das MSD Manual, nennen die Feinnadelbiopsie als übliche Bestätigung; die meisten Augenzentren setzen sie zurückhaltender ein, wenn der Krebs bereits bekannt ist.

Womit kann eine Aderhautmetastase verwechselt werden?

Die wichtigste Verwechslung ist das unpigmentierte (amelanotische) Aderhautmelanom, ein eigenständiger Augenkrebs mit ganz anderer Behandlung. Daneben kommen weitere Erkrankungen infrage. Ein Teil davon ist harmlos, andere brauchen eine eigene Behandlung.

ErkrankungWas sie unterscheidet
Amelanotisches Aderhautmelanommeist einzeln und einseitig, höher, im Ultraschall innen dunkler, oft mit sichtbaren Gefäßen oder Pilzform; wächst langsamer
Aderhautnävusflach, über Jahre unverändert, keine oder kaum Flüssigkeit
Aderhauthämangiomgutartiger Gefäßtumor, rötlich-orange, einzeln, einseitig
Aderhautosteomverkalkt, im Ultraschall und CT eindeutig erkennbar
Hintere SkleritisEntzündung der Lederhaut mit Schmerzen und Aderhautfalten
Entzündungen der Aderhaut und Netzhaut, Morbus HaradaEntzündungszeichen, oft beidseitig, Netzhaut mitbetroffen
Zentrale seröse ChorioretinopathieFlüssigkeit unter der Netzhaut, aber kein Tumor
Klassische Netzhautablösung mit NetzhautlochRiss in der Netzhaut, Flüssigkeit verlagert sich nicht mit der Kopfhaltung
Lymphom am AugeTrübungen im Glaskörper, Herde unter der Netzhaut, Gewebeprobe entscheidend
Narbe nach feuchter Makuladegeneration, Blutung unter der Netzhautpassende Vorgeschichte, typisches Bild in OCT und Angiographie

Selten wird eine Metastase erst bei einer Operation wegen vermeintlicher Netzhautablösung entdeckt. Eine systematische Übersicht aus Lateinamerika kam 2021 zu dem Schluss, dass die Diagnose trotz aller Technik im Kern eine klinische Diagnose bleibt, also auf Erfahrung und Gesamtbild beruht.

Wer trägt die Kosten?

Grunduntersuchungen wie die Spiegelung des Augenhintergrunds und der Ultraschall werden bei begründetem Verdacht in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Die OCT ist in deutschen Augenarztpraxen dagegen nur bei bestimmten Erkrankungen Kassenleistung, vor allem bei feuchter Makuladegeneration und diabetischem Makulaödem. Seit Juli 2025 kann sie außerdem in spezialisierten Teams der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) für bösartige Augentumoren abgerechnet werden; Metastasen gehören laut Richtlinie nicht ausdrücklich dazu.

In Kliniken und Hochschulambulanzen gelten andere Abrechnungswege; fragen Sie dort nach. In einer Praxis kann sie sonst als Selbstzahlerleistung angeboten werden. In Österreich hängt die Kostenübernahme von Kasse und Einrichtung ab. Fragen Sie im Zweifel vorab in der Praxis, in der Ambulanz oder bei Ihrer Krankenkasse nach.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (12)

Wie werden Aderhautmetastasen behandelt?

Die Behandlung richtet sich in erster Linie nach der zugrunde liegenden Krebserkrankung; Medikamente gegen den Krebs im ganzen Körper wirken oft auch im Auge. Reicht das nicht oder ist das Sehen akut bedroht, wird das Auge zusätzlich bestrahlt oder lokal behandelt. Ziel ist meist nicht die Heilung, sondern die Kontrolle der Erkrankung: Sehen erhalten, Auge erhalten, Beschwerden lindern und Lebensqualität sichern. Behandlungen, deren Belastung größer wäre als ihr Nutzen, werden vermieden.

Wer entscheidet über die Behandlung?

Die Entscheidung trifft ein Team aus Augenheilkunde (oft eine spezialisierte Augenonkologie), Onkologie und Strahlentherapie gemeinsam mit Ihnen. Einen festen Behandlungsablauf aus einer Leitlinie gibt es nicht; in Deutschland und Österreich existiert keine eigene Leitlinie zu Aderhautmetastasen. Die Wahl hängt von mehreren Fragen ab.

  • Welcher Krebs liegt zugrunde, und welche Medikamente stehen zur Verfügung?
  • Wie stark ist das Sehen bedroht, liegt der Herd an der Makula oder am Sehnerv?
  • Sind ein oder beide Augen, ein oder mehrere Herde betroffen?
  • Wie groß ist der Herd, und besteht eine Netzhautabhebung?
  • Wie ist der Allgemeinzustand, und wie viel Behandlung möchten Sie auf sich nehmen?

Kann man auch abwarten?

Ja, kleine Herde ohne Beschwerden, die weit von der Makula entfernt liegen, werden oft nur beobachtet, vor allem wenn bereits eine wirksame Krebstherapie läuft. Gleiches gilt für Herde, die sich unter der Therapie zurückgebildet haben und flach geworden sind. Kontrollen erfolgen dann je nach Zentrum alle zwei bis vier, später alle drei bis sechs Monate, meist abgestimmt auf die übrigen Staging-Untersuchungen. Tritt eine neue Netzhautabhebung auf oder wächst der Herd, wird zusätzlich lokal behandelt.

Systemische Krebstherapie

Die Behandlung im ganzen Körper ist oft der erste Schritt, besonders wenn auch andere Organe befallen sind. Die Aderhaut ist für Medikamente aus dem Blut gut erreichbar. Je nach Krebsart kommen Chemotherapie, Hormontherapie, Antikörper, zielgerichtete Medikamente gegen bestimmte Genveränderungen oder Immuntherapien infrage. Die Auswahl trifft die Onkologie anhand der Gesamterkrankung, nicht anhand des Auges.

Die Ergebnisse sind ermutigend. In einer Serie von 264 Frauen mit Brustkrebs bildeten sich die Augenherde unter Chemo- und/oder Hormontherapie bei 65 Prozent zurück. Bei Lungenkrebs mit passender Genveränderung (etwa EGFR oder ALK) können zielgerichtete Tabletten die Herde ebenfalls verkleinern; in der Pariser Studie besserte sich das Sehen bei vier von fünf auswertbaren Patienten, und das Ansprechen im Auge hielt teils an, auch wenn der Krebs anderswo fortschritt. Zur Immuntherapie gibt es bisher nur einzelne Berichte.

Nachteil: Medikamente wirken meist langsamer als eine Bestrahlung, und die Wirkung im Auge hält in manchen Berichten kürzer an. Ältere spanische Arbeiten beschreiben, dass Lungenkrebs-Metastasen im Auge oft schlechter auf klassische Chemotherapie ansprechen als Brustkrebs-Metastasen. Ist das Sehen akut gefährdet, wird deshalb häufig zusätzlich bestrahlt.

Äußere Bestrahlung

Die äußere Strahlentherapie (perkutane Bestrahlung) ist die am häufigsten eingesetzte und am besten untersuchte lokale Behandlung; ein deutschsprachiger Fachartikel nennt sie die Methode der Wahl. Sie eignet sich besonders bei mehreren Herden, bei Befall beider Augen und bei großen Herden. Bestrahlt wird von außen mit einem Linearbeschleuniger, meist in 10 bis 20 Sitzungen über zwei bis vier Wochen; üblich sind Gesamtdosen von 20 bis 40 Gray, zum Beispiel 30 Gray in 10 oder 15 Sitzungen. Es gibt auch kurze Schemata mit 5 Sitzungen, die bei geringer Kraft oder kurzer Lebenserwartung entlasten.

Die Ergebnisse sind gut: In einer Übersicht von 2025 bildeten sich die Herde in etwa 94 Prozent zurück, und das Auge blieb in etwa 98 Prozent erhalten. Das Sehen verbesserte sich oder blieb stabil bei 33 bis 73 Prozent, je nach Studie und Ausgangslage; andere Auswertungen berichten höhere Werte. Flüssigkeit unter der Netzhaut geht oft schon in den ersten Wochen zurück. Ob die Behandlung gewirkt hat, wird etwa drei Monate danach beurteilt.

Wie läuft eine Bestrahlung ab?

Vor der Bestrahlung wird mit einer CT ein genauer Plan erstellt, damit vor allem die Augenlinse und das andere Auge möglichst geschont werden. Oft wird eine individuell angepasste Maske angefertigt, damit der Kopf bei jeder Sitzung gleich liegt. Die einzelne Sitzung dauert nur wenige Minuten und ist schmerzfrei. Die meisten Menschen können sie ambulant wahrnehmen.

Welche Nebenwirkungen kann die Bestrahlung haben?

Schwere Nebenwirkungen sind bei üblichen Dosen eher selten und treten vor allem bei höheren Dosen und längerem Überleben auf. Sehr häufig ist dagegen ein trockenes Auge, das sich mit Tränenersatzmitteln lindern lässt; in der jordanischen Serie hatten es fast alle Bestrahlten. Spätfolgen nach Monaten bis Jahren können ein Grauer Star, Schäden an den Netzhautgefäßen (Strahlenretinopathie), am Sehnerv, ein Glaukom durch neue Gefäße oder selten ein Hornhautgeschwür sein. Eine Auswertung von 483 Lungenkrebs-Patienten fand Nebenwirkungen bei etwa 12 Prozent, häufiger ab 35 bis 40 Gray.

Bestrahlung mit einem Strahlenträger (Brachytherapie)

Bei einem einzelnen Herd kann ein kleines, schalenförmiges Strahlenplättchen (Applikator) für einige Tage außen auf die Lederhaut über dem Tumor genäht werden. Verwendet werden Ruthenium-106 bei Herden unter etwa 5 Millimeter Dicke und Jod-125 bei dickeren. Die Strahlung wirkt sehr gezielt, die Behandlung dauert nur etwa drei bis vier Tage statt mehrerer Wochen, und die Herde bilden sich in über 90 Prozent zurück. Nachteile sind zwei kleine Operationen zum Aufnähen und Entfernen und die Tatsache, dass weitere kleine Herde im Auge nicht miterfasst werden.

Protonentherapie und stereotaktische Bestrahlung

Die Protonentherapie bestrahlt besonders genau mit wenigen Sitzungen und schont die vorderen Augenabschnitte; die Herde bilden sich in etwa 84 Prozent zurück. Sie wird vor allem bei längerer erwarteter Lebenszeit oder bei Tumoren eingesetzt, die auf herkömmliche Bestrahlung schlecht ansprechen. Nur wenige Zentren in Europa bieten Protonen am Auge an, und sie behandeln vorwiegend Aderhautmelanome; für Metastasen wird das Verfahren, etwa in Frankreich, seltener genutzt. Zur stereotaktischen Bestrahlung und zum Gamma-Knife gibt es bei Aderhautmetastasen bisher wenig Daten; sie erfordert, den Blick etwa eine halbe Stunde lang ruhig zu halten.

Laser und photodynamische Therapie

Kleine, flache Herde lassen sich manchmal mit Licht behandeln. Bei der photodynamischen Therapie wird ein lichtempfindlicher Wirkstoff (Verteporfin) in die Vene gegeben und der Herd anschließend mit einem schwachen Laser belichtet; das verschließt die Tumorgefäße. Sie eignet sich für Herde unter etwa 3 Millimeter Dicke, besonders wenn sie Flüssigkeit unter der Netzhaut verursachen. Seit 2021 ist der Wirkstoff weltweit knapp, was den Einsatz begrenzt.

Die transpupillare Thermotherapie erwärmt kleine Herde bis etwa 3 bis 3,5 Millimeter Dicke mit einem Infrarotlaser; Risiken sind Gefäßverschlüsse und Blutungen.

Spritzen ins Auge

Medikamente gegen den Gefäßwachstumsfaktor VEGF, etwa Bevacizumab, werden in den Glaskörper gespritzt und können Flüssigkeit unter der Makula verringern. In kleinen Fallserien schrumpften manche Herde, andere nicht; in einer chinesischen Serie nahm die Dicke um etwa 14 bis 27 Prozent ab. Die Spritzen gelten deshalb als Ergänzung, nicht als Hauptbehandlung. Sie helfen außerdem bei Spätfolgen der Bestrahlung, etwa bei Schwellungen der Makula.

Muss das Auge entfernt werden?

Nur sehr selten. Eine Entfernung des Auges (Enukleation) kommt nur infrage, wenn der Tumor trotz Behandlung unkontrolliert wächst, in die Augenhöhle einbricht oder ein schmerzhaftes, nicht beherrschbares Glaukom verursacht. In der spanischen Serie aus Valladolid war das bei einem von 21 Patienten nötig.

Bei einem blinden, schmerzhaften Auge gibt es außerdem drucksenkende Eingriffe als Alternative. Nach einer Entfernung wird ein Implantat eingesetzt und später eine Augenprothese angepasst.

Behandlung nach Lebenssituation

Wie viel Behandlung sinnvoll ist, hängt auch davon ab, wie viel Zeit und Kraft Sie haben und was Ihnen wichtig ist. Bei absehbar kurzer Lebenszeit werden Verfahren gewählt, die wenig belasten und schnell wirken, etwa eine kurze Bestrahlung oder eine Spritze ins Auge. Bei längerer erwarteter Lebenszeit lohnt sich eher ein aufwendigeres, besonders schonendes Verfahren wie Strahlenplättchen oder Protonen. Kombinationen aus Medikamenten und lokaler Behandlung führten in einigen Serien zu stärkerer Verkleinerung und weniger Rückfällen als Medikamente allein.

VerfahrenGeeignet fürDauer
Beobachtung unter Krebstherapiekleine, ruhige Herde ohne BeschwerdenKontrollen alle 2 bis 6 Monate
Systemische Therapiealle, besonders bei Befall mehrerer Organefortlaufend, nach Plan der Onkologie
Äußere Bestrahlungmehrere oder große Herde, beide Augenetwa 1 bis 4 Wochen
Strahlenplättcheneinzelner Herd3 bis 4 Tage, zwei kleine Eingriffe
Protoneneinzelner Herd, längere Lebenserwartungwenige Sitzungen
Photodynamische Therapie, Thermotherapiekleine, flache Herdeein bis wenige Termine
Spritze gegen VEGFErgänzung bei Flüssigkeit oder Strahlenfolgenwiederholte Termine

Wie oft sind Kontrollen nach der Behandlung nötig?

Nach einer Bestrahlung wird das Ergebnis etwa drei Monate später kontrolliert, danach meist alle drei bis sechs Monate. Ein New Yorker Augentumorzentrum empfiehlt Kontrollen beider Augen alle drei bis vier Monate, weil auch das andere Auge erkranken kann. Die Termine lassen sich oft mit den Staging-Untersuchungen der Onkologie abstimmen, damit weniger Wege anfallen.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (7)

Wie ist die Prognose bei Aderhautmetastasen?

Die Prognose hängt fast vollständig von der Grunderkrankung ab, nicht vom Auge. Eine Aderhautmetastase zeigt meist eine fortgeschrittene, gestreute Krebserkrankung an, die in der Regel nicht mehr heilbar ist, aber oft über längere Zeit behandelt werden kann. Wie lange dies gelingt, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Die Zahlen unten sind Durchschnittswerte aus meist kleinen und teils älteren Studien und sagen über den Einzelfall wenig aus.

Was sagen die Zahlen zur Lebenszeit?

In älteren Serien lebten Betroffene nach der Diagnose der Augenmetastase im Mittel sechs bis zwölf Monate; neuere Übersichten nennen neun bis zehn Monate. In einer großen amerikanischen Serie mit 1.111 Betroffenen lag das mittlere Überleben bei gut 17 Monaten. Dort lebten nach einem Jahr noch 57 Prozent, nach zwei Jahren 42 Prozent und nach fünf Jahren 24 Prozent. Einzelne Menschen leben viele Jahre, besonders unter modernen zielgerichteten Medikamenten.

Wichtig für die Einordnung: Neue Krebstherapien verlängern das Leben bei vielen Krebsarten, und ältere Zahlen bilden das nur teilweise ab. Ihre persönliche Aussicht kann nur das Behandlungsteam einschätzen, das Ihre gesamte Erkrankung kennt. Sie entscheiden selbst, wie viel Sie darüber wissen möchten.

Welche Rolle spielt der Ursprungstumor?

Die Aussichten unterscheiden sich je nach Krebsart deutlich. Bei Brustkrebs ist das Überleben meist länger als bei Lungenkrebs, Magen-Darm- oder Urogenitalkrebs.

Ursprung5-Jahres-Überleben in der Serie von 2018
Lungen-Karzinoid92 Prozent
Schwarzer Hautkrebs33 Prozent
Prostata31 Prozent
Brust25 Prozent
Lunge13 Prozent
Magen-Darm-Trakt13 Prozent
Schilddrüse12 Prozent

Bei Lungenkrebs mit EGFR-Mutation fand die Pariser Studie kein deutlich kürzeres Überleben, wenn zusätzlich das Auge befallen war (23,4 gegenüber 27,9 Monaten, Unterschied nicht gesichert). Das spricht dafür, dass bei modernen Medikamenten die Augenmetastase allein die Aussichten nicht zwingend verschlechtert.

Bleibt das Sehen erhalten?

In vielen Fällen ja. Mit Behandlung bildet sich der Herd meist zurück, die Flüssigkeit unter der Netzhaut verschwindet, und das Sehen bleibt stabil oder bessert sich. Wie viel Sehen zurückkommt, hängt vor allem davon ab, wie lange die Makula schon betroffen war und wie stark das Sehen vor Behandlungsbeginn eingeschränkt war. Eine Garantie gibt es nicht; ist die Makula durch den Herd selbst zerstört, bleibt oft ein dauerhafter Ausfall in der Mitte.

Welche Komplikationen können auftreten?

Mögliche Komplikationen am Auge sind eine großflächige Netzhautabhebung, ein bleibender Sehverlust, ein Glaukom mit Schmerzen, ein Rückfall des Herdes oder neue Herde, eine Ausbreitung in die Augenhöhle und Spätfolgen der Bestrahlung. Sehr selten muss das Auge entfernt werden; in der Pekinger Serie betraf das zwei Patienten mit Lungenkrebs nach zwei bis drei Jahren. Auch im zuvor gesunden Auge können später Herde auftreten.

Lebensqualität mit Aderhautmetastasen

Für die meisten Betroffenen steht im Vordergrund, so lange wie möglich selbstständig zu bleiben, zu lesen, sich zu orientieren und Zeit mit nahestehenden Menschen gut zu verbringen. Gutes Sehen trägt viel dazu bei, und deshalb lohnt sich eine Behandlung des Auges oft auch bei begrenzter Lebenszeit. Wenn ein Auge schlechter sieht, übernimmt das andere einen großen Teil der Arbeit. Mit Lesebrille, Lupe, großer Schrift, guter Beleuchtung und der Vergrößerungsfunktion von Smartphone oder Tablet lässt sich vieles ausgleichen.

Zur Lebensqualität gehört auch die seelische Seite. Eine Augenmetastase bedeutet oft, dass sich die Krebserkrankung verändert hat, und das kann Angst, Trauer oder Erschöpfung auslösen. In Deutschland und Österreich bieten Krebszentren und Krebsberatungsstellen psychoonkologische Unterstützung an, auch für Angehörige. Palliativmedizin bedeutet nicht Aufgeben, sondern Behandlung mit dem Schwerpunkt auf Wohlbefinden; sie kann parallel zur Krebstherapie beginnen.

Autofahren und Alltag

Ob Sie weiter Auto fahren dürfen, hängt von Sehschärfe und Gesichtsfeld beider Augen ab und muss augenärztlich beurteilt werden. Nach Pupillenerweiterung, während einer Bestrahlung mit Müdigkeit oder bei Doppelbildern sollten Sie nicht selbst fahren. Viele Krebsmedikamente und Begleitmittel beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit zusätzlich. Sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlungsteam darüber, auch wenn die Frage unangenehm ist.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (5)

Kann man Aderhautmetastasen vorbeugen?

Nein, eine gezielte Vorbeugung gegen Metastasen im Auge gibt es nicht. Ob ein Krebs ins Auge streut, lässt sich weder durch Augentropfen noch durch Ernährung oder Verhalten beeinflussen. Was hilft, ist eine wirksame Behandlung der Krebserkrankung selbst und ein früher Blick ins Auge, sobald sich das Sehen verändert.

Früh erkennen: Was Sie selbst tun können

Wer eine Krebserkrankung hat oder hatte, sollte jede neue Sehstörung ernst nehmen und rasch abklären lassen. Bei frühem Erkennen sind die Herde kleiner, die Netzhaut ist weniger abgehoben, und die Chancen auf gutes Sehen nach der Behandlung sind höher. Ein einfacher Selbsttest hilft: Decken Sie regelmäßig abwechselnd ein Auge ab und prüfen Sie, ob Schrift, Linien und Gesichter mit jedem Auge allein gleich scharf und gerade aussehen. Wer dazu ein Kästchenmuster (Amsler-Gitter) nutzt, bemerkt Verzerrungen früh.

  • Sehstörungen nicht der Krebstherapie oder dem Alter zuschreiben, ohne nachzusehen
  • bei der Augenärztin oder dem Augenarzt die Krebserkrankung immer erwähnen
  • Arztbriefe und Medikamentenliste mitbringen
  • Onkologie und Augenheilkunde gegenseitig informieren lassen

Sind regelmäßige Augenkontrollen ohne Beschwerden sinnvoll?

Ein allgemeines Screening aller Krebskranken ohne Beschwerden ist nicht als Standard belegt, und eine Leitlinie dazu gibt es nicht. Einzelne Zentren raten bei gestreutem Krebs, besonders bei Brust- und Lungenkrebs, zu einer Augenuntersuchung auch ohne Beschwerden, etwa einmal jährlich. Ist bereits ein Auge betroffen, werden beide Augen alle zwei bis sechs Monate kontrolliert. Ob eine Kontrolle in Ihrem Fall sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrem Behandlungsteam.

Hilft die allgemeine Krebsvorsorge?

Indirekt ja: Früh entdeckter Krebs streut seltener. In Deutschland und Österreich gibt es Früherkennungsprogramme etwa für Brust-, Darm- und Gebärmutterhalskrebs, deren Nutzen für die Krebserkrankung insgesamt gut belegt ist. Nicht zu rauchen senkt das Risiko für Lungenkrebs, die zweithäufigste Ursache von Aderhautmetastasen, deutlich. Unabhängig davon empfehlen die deutschen augenärztlichen Fachgesellschaften ab etwa 40 Jahren eine Untersuchung des Augenhintergrunds, die unter anderem ein Aderhautmelanom früh erkennen kann.

Was hilft während und nach der Behandlung?

Nach einer Bestrahlung lindern Tränenersatzmittel das häufige Trockenheitsgefühl; mehr dazu bei Augentropfen gegen trockene Augen. Halten Sie die Kontrolltermine ein, auch wenn es Ihnen gut geht, weil Spätfolgen wie ein Grauer Star oder ein Druckanstieg gut behandelbar sind, wenn sie früh erkannt werden. Bei eingeschränktem Sehen helfen Low-Vision-Ambulanzen, Optiker mit Erfahrung in vergrößernden Sehhilfen und Blinden- und Sehbehindertenverbände bei der Auswahl von Hilfsmitteln. Manche dieser Hilfen übernimmt die Krankenkasse auf ärztliche Verordnung; fragen Sie im Einzelfall nach.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (4)

Wann muss ich sofort zum Augenarzt?

Noch am selben Tag zur Augenärztin, zum Augenarzt oder in die Augenklinik sollten Sie bei plötzlichem Sehverlust, einem Schatten oder Vorhang im Blickfeld, neuen Lichtblitzen mit vielen schwarzen Punkten oder einem stark schmerzenden, roten Auge. Diese Zeichen können auf eine Netzhautablösung oder einen gefährlichen Druckanstieg hinweisen. Das gilt mit und ohne bekannte Krebserkrankung. Außerhalb der Sprechzeiten ist die Notaufnahme einer Augenklinik zuständig; mehr Warnzeichen finden Sie unter Notfall am Auge.

  • Schatten, Schleier oder Vorhang, der sich ins Blickfeld schiebt
  • plötzlich deutlich schlechteres Sehen auf einem Auge
  • neue Lichtblitze, besonders zusammen mit vielen neuen Punkten oder Flocken
  • starke Augenschmerzen mit rotem Auge, Kopfschmerz oder Übelkeit
  • plötzlich hervortretendes Auge oder neue Doppelbilder

Wann innerhalb weniger Tage?

Innerhalb weniger Tage sollten Sie eine neue Sehstörung abklären lassen, wenn Sie eine Krebserkrankung haben oder hatten. Dazu gehören verschwommenes Sehen auf einem Auge, das eine Brille nicht behebt, verzerrt wirkende Linien, ein grauer oder dunkler Fleck beim Lesen oder ein Auge, das sich „anders“ anfühlt. Aderhautmetastasen können innerhalb von Wochen wachsen, und je früher behandelt wird, desto besser lässt sich das Sehen erhalten. Weisen Sie bei der Terminvergabe auf die Krebserkrankung hin, damit Sie rasch einen Termin bekommen.

Wann reicht ein regulärer Termin?

Ein regulärer Termin genügt für vereinbarte Kontrollen nach einer Behandlung, für leichte Trockenheit nach einer Bestrahlung oder für eine allmähliche Sehverschlechterung über Monate ohne andere Warnzeichen. Auch dann gilt: Verschlechtert sich etwas plötzlich, warten Sie nicht bis zum nächsten Kontrolltermin. Bei Unsicherheit ist ein Anruf in der Praxis oder Augenklinik der beste Weg.

Warnzeichen, die auf etwas anderes hindeuten

Plötzliche Doppelbilder oder ein hängendes Augenlid zusammen mit Sprachstörungen, Lähmungen, starken neuen Kopfschmerzen oder Verwirrtheit können auf Hirnmetastasen oder einen Schlaganfall hinweisen. Dann ist sofort der Rettungsdienst zu rufen: 112 in Deutschland und Österreich, in Österreich auch 144. Zunehmende Schmerzen, Rötung und schlechteres Sehen in den Tagen nach einer Spritze ins Auge können auf eine Infektion im Auge hinweisen und sind ebenfalls ein Notfall.

9 Häufige Fragen

Ist eine Aderhautmetastase Augenkrebs?

Nein, nicht im engeren Sinn. Eine Aderhautmetastase ist eine Absiedlung eines Krebses aus einem anderen Organ, meist Brust oder Lunge, der über das Blut ins Auge gelangt ist. Die Zellen gleichen dem Ursprungstumor, und auch die Behandlung richtet sich nach ihm. Der häufigste Krebs, der im Auge selbst entsteht, ist dagegen das Aderhautmelanom.

Kann Brustkrebs ins Auge streuen?

Ja, Brustkrebs ist bei Frauen die häufigste Ursache von Aderhautmetastasen. Sie treten meist viele Jahre nach der Erstdiagnose auf, oft zusammen mit Metastasen in anderen Organen, und betreffen häufiger beide Augen als bei anderen Krebsarten. Unter Hormon- oder Chemotherapie bildeten sich die Augenherde in einer großen Serie bei rund zwei Dritteln zurück.

Kann eine Sehstörung das erste Zeichen von Lungenkrebs sein?

Ja. Bei Lungenkrebs ist das Auge in einem Drittel bis fast der Hälfte der Fälle der erste Hinweis auf die Erkrankung. Insgesamt war bei einem Viertel bis einem Drittel aller Menschen mit Aderhautmetastasen vorher kein Krebs bekannt. Findet die Augenärztin oder der Augenarzt einen verdächtigen Herd, folgt deshalb rasch eine Untersuchung des ganzen Körpers.

Muss das Auge bei Aderhautmetastasen entfernt werden?

Sehr selten. Nach einer Bestrahlung bleibt das Auge in etwa 98 Prozent der Fälle erhalten. Eine Entfernung kommt nur infrage, wenn der Tumor trotz Behandlung weiterwächst oder ein schmerzhaftes, nicht beherrschbares Glaukom entsteht.

Werde ich durch Aderhautmetastasen blind?

In den meisten Fällen nicht. Mit Behandlung bilden sich die Herde meist zurück, und das Sehen bleibt stabil oder bessert sich bei einem großen Teil der Betroffenen. Ist die Makula schon länger betroffen, kann ein bleibender Ausfall in der Mitte des Blickfelds zurückbleiben. Je früher behandelt wird, desto besser sind die Aussichten für das Sehen.

Reicht eine Chemotherapie oder muss das Auge bestrahlt werden?

Das hängt vom Einzelfall ab. Medikamente gegen den Krebs wirken oft auch im Auge, aber langsamer als eine Bestrahlung. Ist das Sehen akut bedroht, liegt Flüssigkeit unter der Makula oder spricht der Herd nicht an, wird meist zusätzlich bestrahlt. Kleine, ruhige Herde werden unter laufender Therapie häufig nur beobachtet.

Wie lange dauert eine Bestrahlung des Auges?

Eine äußere Bestrahlung umfasst meist 10 bis 20 kurze, schmerzfreie Sitzungen über zwei bis vier Wochen; es gibt auch kürzere Schemata mit 5 Sitzungen. Ein Strahlenplättchen bleibt etwa drei bis vier Tage auf dem Auge und erfordert zwei kleine Eingriffe. Die Wirkung wird etwa drei Monate später beurteilt.

Tun Aderhautmetastasen weh?

Meist nicht. Schmerzen haben nur etwa 5 bis 14 Prozent der Betroffenen. Sie entstehen vor allem durch einen erhöhten Augeninnendruck, eine Entzündung bei Befall der Regenbogenhaut oder eine Ausbreitung in die Augenhöhle. Starke Schmerzen mit rotem Auge sollten noch am selben Tag untersucht werden.

Kann auch das andere Auge betroffen sein?

Ja, in 20 bis 50 Prozent der Fälle sind beide Augen betroffen, besonders bei Brustkrebs. Oft finden sich im zweiten Auge kleine Herde ohne Beschwerden. Deshalb werden bei jeder Kontrolle beide Augen untersucht, meist alle drei bis sechs Monate.

Wie lange lebt man mit Aderhautmetastasen?

Das lässt sich nicht allgemein sagen, weil es fast nur von der Art und Ausbreitung der Krebserkrankung abhängt. Studien nennen mittlere Werte zwischen etwa sechs und 17 Monaten; manche Menschen leben aber viele Jahre, besonders mit modernen zielgerichteten Medikamenten. Bei Brustkrebs sind die Aussichten im Mittel besser als bei Lungenkrebs. Ihre persönliche Prognose kann am ehesten Ihr Behandlungsteam einschätzen.

Ist eine Gewebeprobe aus dem Auge nötig?

Meist nicht. Bei bekannter Krebserkrankung reichen Augenspiegelung, Ultraschall und OCT in der Regel für die Diagnose. Eine Gewebeprobe wird nur entnommen, wenn trotz Suche kein Ursprungstumor gefunden wird oder der Herd nicht sicher von einem Aderhautmelanom zu unterscheiden ist.

Wie unterscheidet sich eine Metastase von einem Aderhautmelanom?

Metastasen sind meist cremeweiß bis gelblich, flach, oft mehrfach oder beidseitig und wachsen schneller; im Ultraschall erscheinen sie innen heller. Ein Melanom ist meist einzeln, höher, oft pigmentiert und wächst langsamer. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Behandlung grundlegend unterscheidet.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 33 Quellen anzeigen
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