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augenarzt.vipAugenkrankheiten verständlich erklärt

Lider und Tränenwege

Xanthelasmen (Xanthelasma palpebrarum)

Xanthelasmen sind weiche, gelbliche, flache Fettablagerungen in der Haut der Augenlider, meist am inneren Augenwinkel. Sie sind gutartig und schmerzlos, betreffen vor allem Erwachsene ab etwa 40 Jahren und sind ein Anlass, die Blutfette und das Herz-Kreislauf-Risiko prüfen zu lassen.

Stand: November 2026 · Lesezeit ca. 34 Minuten · 22 Quellen in 4 Sprachen

1 Kurzübersicht

In diesem Kapitel (6)

Was sind Xanthelasmen?

Xanthelasmen sind gelbliche, weiche und flache Ablagerungen von Cholesterin in der Haut der Augenlider. Der Fachbegriff Xanthelasma palpebrarum kommt aus dem Griechischen und Lateinischen und bedeutet sinngemäß „gelbe Platte am Augenlid“. Sie gehören zur Gruppe der Xanthome, also gutartiger Fetteinlagerungen in der Haut. Xanthelasmen sind die häufigste Form dieser Hautxanthome überhaupt.

Unter dem Mikroskop bestehen sie aus sogenannten Schaumzellen. Das sind Fresszellen des Immunsystems (Makrophagen), die so viel Fett aufgenommen haben, dass ihr Inneres schaumig aussieht. Sie liegen in der Lederhaut (Dermis), also unter der obersten Hautschicht.

Sind Xanthelasmen gefährlich?

Für das Auge und für die Haut sind Xanthelasmen harmlos. Sie sind kein Tumor, entarten nicht zu Krebs, sind nicht ansteckend und beeinträchtigen das Sehen in aller Regel nicht. Wichtig sind sie aus einem anderen Grund: Bei etwa der Hälfte der Betroffenen stecken erhöhte Blutfette dahinter. Einige Studien, darunter eine große Bevölkerungsstudie aus Dänemark, zeigen außerdem ein etwas erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und andere Gefäßerkrankungen.

Wie häufig sind Xanthelasmen und wen betreffen sie?

Xanthelasmen sind verbreitet, genaue Zahlen schwanken aber stark. Übersichtsarbeiten nennen für westliche Länder etwa 0,5 bis 1,5 Prozent der Erwachsenen, die Universitätsklinik Navarra in Spanien spricht von 1 bis 4 Prozent. In einer großen dänischen Bevölkerungsstudie hatten rund 4 Prozent der Teilnehmenden Xanthelasmen. Die Unterschiede hängen davon ab, wer untersucht wurde und wie genau man hingeschaut hat.

Meist treten sie zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr erstmals auf. Möglich ist ein Beginn ab etwa 15 Jahren, Studien beschreiben Erstauftreten bis über 70 Jahre. Die meisten Quellen sehen Frauen häufiger betroffen als Männer, teils besonders um die Wechseljahre; ein deutsches Nachschlagewerk nennt dagegen Männer häufiger. In der großen dänischen Bevölkerungsstudie waren Frauen und Männer etwa gleich häufig betroffen. Die Frage ist also nicht eindeutig geklärt.

Woran erkennt man Xanthelasmen auf einen Blick?

Typisch sind gelbliche, scharf begrenzte, weiche Flecken oder leicht erhabene Polster am inneren Augenwinkel, oft an beiden Oberlidern. Sie tun nicht weh, jucken nicht und wachsen langsam über Monate und Jahre. Von selbst verschwinden sie praktisch nie. Die Einzelheiten finden Sie im Abschnitt Symptome.

Was bedeutet die Diagnose für Sie in der Praxis?

Die Diagnose hat zwei Seiten: eine kosmetische und eine für die Gesundheit des Herzens und der Gefäße. Für die Haut gilt: Eine Entfernung ist nicht nötig, aber auf Wunsch möglich. Für die Gesundheit gilt: Sie sollten Ihre Blutfette und weitere Herz-Kreislauf-Risikofaktoren ärztlich prüfen lassen. Das ist die wichtigste Empfehlung, auf die sich Quellen aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Spanien einig sind.

Welche Ärztin oder welcher Arzt ist zuständig?

Für das Erkennen und Entfernen sind Augenärztinnen und Augenärzte zuständig, besonders solche mit Schwerpunkt Lidchirurgie (Okuloplastik), sowie Hautärztinnen und Hautärzte. Die Blutfette und das Herz-Kreislauf-Risiko klärt meist die Hausärztin oder der Hausarzt. Bei sehr hohen Werten oder Verdacht auf eine erbliche Störung kommen Internistinnen und Internisten, Stoffwechselambulanzen oder Kardiologinnen und Kardiologen dazu.

2 Symptome

In diesem Kapitel (17)

Wie sehen Xanthelasmen aus?

Xanthelasmen sind weiche, gelbe bis gelb-orange oder cremefarbene Flecken mit glatter, oft leicht samtiger Oberfläche. Die Farbe kommt vom eingelagerten Fett, das durch die sehr dünne Lidhaut hindurchschimmert. Die Ränder sind meist scharf begrenzt. Die Form ist oft oval, manchmal streifenförmig oder unregelmäßig, wenn mehrere Herde zusammenwachsen.

Fachleute unterscheiden nach der Dicke:

  • Flecken (Maculae): ganz flach, nur farblich auffällig.
  • Plaques: flache, leicht erhabene Polster, die häufigste Form.
  • Papeln: kleine, knötchenartige Erhebungen.
  • Knoten: dicke, tastbare Herde; eher selten und meist nach langem Bestehen.

Die einzelnen Herde sind zwischen etwa 1 Millimeter und 2 Zentimeter groß. Sie können einzeln auftreten oder zu mehreren, verstreut oder in einer Reihe.

Wo am Auge treten Xanthelasmen auf?

Xanthelasmen beginnen fast immer am inneren Augenwinkel, also an der Seite zur Nase. Am häufigsten ist das Oberlid betroffen, seltener das Unterlid. Mit der Zeit können sie sich nach außen ausbreiten. Bei manchen Menschen sind alle vier Lider befallen.

Ärztinnen und Ärzte teilen die Ausdehnung oft in vier Grade ein. Die Einteilung hilft bei der Wahl der Behandlung und bei der Einschätzung, wie hoch das Rückfallrisiko ist.

GradAusdehnung
Inur an den Oberlidern
IIbis in den Bereich des inneren Augenwinkels reichend
IIIan der inneren Hälfte von Ober- und Unterlid
IVausgedehnt an Ober- und Unterlid, innen und außen

Treten Xanthelasmen auf beiden Seiten auf?

Meist ja: Xanthelasmen sind in den meisten Fällen beidseitig. Häufig sind sie annähernd spiegelbildlich angeordnet. Französische Quellen betonen aber, dass sie oft beidseitig und trotzdem ungleich groß sind. Ein einseitiger Herd ist möglich, sollte aber besonders sorgfältig angesehen werden, weil andere Lidveränderungen eher einseitig auftreten.

Wie fühlen sich Xanthelasmen an?

Frische Xanthelasmen sind weich und lassen sich mit dem Lid mitbewegen. Beim Tasten spürt man oft kaum einen Unterschied zur umgebenden Haut. Ältere Herde, die schon länger als ein Jahr bestehen, werden häufig fester, dicker und reichen tiefer in die Haut. Diese Veränderung ist wichtig für die Behandlung, weil tiefe Herde mit oberflächlichen Verfahren schlecht zu entfernen sind.

Verursachen Xanthelasmen Schmerzen, Jucken oder Sehstörungen?

Nein, typische Xanthelasmen verursachen keine Beschwerden. Sie schmerzen nicht, jucken nicht, brennen nicht, nässen nicht und bluten nicht. Sie bilden keine offenen Stellen. Das Sehen bleibt unbeeinträchtigt, die Augen tränen nicht stärker, und das Lid schließt normal.

Wenn ein Lidfleck schmerzt, juckt, blutet oder eine Kruste bildet, passt das nicht zu einem Xanthelasma. Dann steckt vermutlich etwas anderes dahinter, zum Beispiel eine Entzündung oder ein Hauttumor.

Können sehr große Xanthelasmen das Lid stören?

In seltenen Fällen ja, wenn die Herde sehr groß und dick sind. Dann können sie das Oberlid schwerer machen oder die Beweglichkeit der Haut einschränken. Solche Fälle sind die Ausnahme. Sie spielen vor allem bei der Frage eine Rolle, ob die Krankenkasse eine Behandlung übernimmt.

Wie schnell wachsen Xanthelasmen?

Xanthelasmen wachsen langsam, über Monate bis Jahre. Viele Betroffene bemerken zunächst nur einen kleinen gelblichen Punkt, der über die Jahre zu einem Streifen oder einer Platte wird. Oft kommen neue Herde hinzu. Ein Herd, der innerhalb von Wochen deutlich größer wird, ist für ein Xanthelasma ungewöhnlich und sollte abgeklärt werden.

Gehen Xanthelasmen von selbst wieder weg?

Praktisch nie. Deutsche, britische und französische Quellen sind sich einig, dass sich Xanthelasmen nicht spontan zurückbilden. Auch eine gute Einstellung der Blutfette lässt sie meist nicht verschwinden. Einzelne Berichte beschreiben, dass sich Herde nach Senkung der Blutfette teilweise zurückbilden; das gelingt aber nur in einem kleinen Teil der Fälle und ist nicht vorhersehbar.

Wie fühlt es sich an, mit Xanthelasmen zu leben?

Für die meisten Betroffenen ist das Aussehen die eigentliche Belastung. Die Flecken liegen mitten im Gesicht, im Blickfeld anderer Menschen, und lassen sich mit Make-up nur begrenzt abdecken. Manche fühlen sich darauf angesprochen oder halten sich für „krank aussehend“. Das ist ein nachvollziehbarer Grund, sich beraten zu lassen, auch wenn medizinisch keine Behandlung nötig ist.

Daneben beschäftigt viele die Frage, was die Flecken über den eigenen Körper aussagen. Die Sorge um Cholesterin und Herz ist berechtigt, aber kein Grund zur Panik: Eine einfache Blutuntersuchung bringt meist rasch Klarheit.

Was bemerken Angehörige?

Angehörige sehen meist nur die gelblichen Flecken an den Lidern, manchmal noch bevor die betroffene Person selbst darauf achtet. Weitere Anzeichen gibt es in der Regel nicht. Häufig fallen Xanthelasmen auch zufällig bei einer anderen Untersuchung auf, etwa bei der Voruntersuchung für eine Operation am Grauen Star oder bei einem Termin in der Hautarztpraxis.

Welche Begleitzeichen können auf eine Fettstoffwechselstörung hinweisen?

Bestimmte Zeichen an anderen Körperstellen machen eine ausgeprägte, oft erbliche Fettstoffwechselstörung wahrscheinlicher. Diese Zeichen sind selbst schmerzlos und werden leicht übersehen. Wenn Sie eines davon bei sich bemerken, sprechen Sie es bei der Ärztin oder beim Arzt an.

  • Sehnenxanthome: feste, hautfarbene Verdickungen an Sehnen, besonders an der Achillessehne über der Ferse und an den Fingerstrecksehnen auf dem Handrücken.
  • Tuberöse Xanthome: gelbliche Knoten über Ellbogen und Knien.
  • Eruptive Xanthome: plötzlich auftretende, kleine gelbe Knötchen mit rotem Rand, oft am Gesäß und an den Streckseiten von Armen und Beinen; typisch für stark erhöhte Triglyzeride.
  • Plane Xanthome: flache gelbliche Flecken in Handlinien oder Hautfalten.
  • Hornhautring (Arcus corneae): ein grauweißer Ring am Rand der Hornhaut. Im Alter ist er häufig und meist bedeutungslos, bei Menschen unter etwa 45 Jahren kann er auf hohe Blutfette hinweisen.

Woran erkennt man eine mögliche familiäre Hypercholesterinämie?

Ein Hinweis ist das gemeinsame Auftreten von Xanthelasmen oder Sehnenxanthomen mit sehr hohem LDL-Cholesterin und frühen Herzerkrankungen in der Familie. Die familiäre Hypercholesterinämie ist eine angeborene Störung, bei der das LDL-Cholesterin („schlechtes“ Cholesterin) von Geburt an stark erhöht ist. Unbehandelt führt sie oft schon im mittleren Lebensalter zu Herzinfarkten. Französische Fachquellen nennen als Warnschwelle ein LDL über etwa 190 mg/dl (4,9 mmol/l).

Folgende Konstellationen sollten daran denken lassen:

  • Xanthelasmen vor dem 40. Lebensjahr.
  • Herzinfarkt, Schlaganfall oder Stent bei Eltern oder Geschwistern in jüngerem Alter (Männer unter 55, Frauen unter 60 Jahren).
  • Sehr hohe Cholesterinwerte bei Ihnen oder in Ihrer Familie.
  • Sehnenverdickungen an Ferse oder Handrücken.

Fehlen solche Zeichen, schließt das eine familiäre Hypercholesterinämie nicht aus, besonders bei jungen Menschen. Nur eine Blutuntersuchung bringt Sicherheit.

Welche Symptome passen nicht zu Xanthelasmen?

Einige Merkmale sprechen gegen ein Xanthelasma und für eine andere Lidveränderung. Dann ist eine augenärztliche oder hautärztliche Untersuchung in den nächsten Tagen bis Wochen sinnvoll, manchmal mit Gewebeprobe.

  • Der Herd ist hart, derb oder mit der Unterlage verwachsen.
  • Die Oberfläche ist unregelmäßig, perlmuttartig glänzend, mit kleinen Gefäßen durchzogen oder hat eine Delle in der Mitte.
  • Es bildet sich eine Kruste, ein Geschwür oder es blutet.
  • Der Herd wächst innerhalb von Wochen deutlich.
  • An der Stelle fallen Wimpern aus.
  • Die Farbe ist nicht gelb, sondern rötlich, bräunlich oder schwärzlich.
  • Die Lidveränderung ist schmerzhaft, gerötet und geschwollen.

Hinter solchen Zeichen können zum Beispiel Tumoren am Augenlid wie ein Basalzellkarzinom (Basaliom) stecken, selten ein Talgdrüsenkarzinom. Eine schmerzhafte, gerötete Schwellung spricht eher für eine Entzündung wie ein Gerstenkorn, ein fester, schmerzloser Knoten im Lid eher für ein Hagelkorn.

Womit können Xanthelasmen verwechselt werden?

Es gibt mehrere harmlose und einige ernstere Lidveränderungen, die ähnlich aussehen können. Meist kann die Ärztin oder der Arzt sie mit bloßem Auge unterscheiden.

VeränderungTypische Merkmale
Milien (Hautgrieß)kleine, harte, weiße Kügelchen, wenige Millimeter groß, oft auch an Wangen
Syringomekleine, hautfarbene bis gelbliche Knötchen, oft am Unterlid, gutartige Schweißdrüsenwucherung, häufiger bei Frauen
Talgdrüsenvergrößerunggelbliche Knötchen mit kleiner Delle in der Mitte
Basalzellkarzinomglasiger, perlmuttartiger Knoten mit feinen Gefäßen, kann bluten oder verkrusten
Nekrobiotisches Xanthogranulomderbe, gelb-orange Platten, oft geschwürig, häufig mit Bluteiweißveränderung (monoklonale Gammopathie); sehr selten
Erdheim-Chester-Erkrankungseltene Erkrankung des blutbildenden Systems, bei rund einem Drittel mit xanthelasmaähnlichen Lidherden
Hautsarkoidosebräunlich-rötliche, derbe Knötchen

Gibt es Besonderheiten bei jungen Menschen?

Ja: Bei Xanthelasmen in jungen Jahren ist eine Fettstoffwechselstörung deutlich wahrscheinlicher als bei älteren Menschen. Deutsche, britische, französische und spanische Quellen betonen das gleichermaßen. Bei jungen Betroffenen sollten die Blutfette deshalb besonders gründlich untersucht werden, gegebenenfalls auch die der Familie.

Kommen Xanthelasmen bei Kindern vor?

Bei Kindern und Jugendlichen sind Xanthelasmen sehr selten. Für Kinder gibt es kaum eigene Daten. Treten gelbliche Hautveränderungen im Kindesalter auf, denken Ärztinnen und Ärzte vor allem an eine schwere angeborene Fettstoffwechselstörung, etwa die seltene reinerbige (homozygote) familiäre Hypercholesterinämie. Dann ist eine kinderärztliche oder stoffwechselmedizinische Abklärung wichtig.

Gibt es Besonderheiten bei älteren Menschen?

Bei älteren Menschen sind Xanthelasmen häufiger und treten öfter auch bei normalen Blutfetten auf. Trotzdem lohnt sich die Blutuntersuchung, weil gerade in diesem Alter das Herz-Kreislauf-Risiko höher ist. Bei älteren Menschen kommt außerdem oft überschüssige Lidhaut hinzu, ein sogenanntes Schlupflid. Das kann für die Wahl der Entfernungsmethode wichtig sein.

3 Ursachen und Risikofaktoren

In diesem Kapitel (9)

Wie entstehen Xanthelasmen?

Xanthelasmen entstehen, wenn Cholesterin aus dem Blut in die Haut der Lider gelangt und dort von Fresszellen aufgenommen wird. Nach der gängigen Vorstellung tritt LDL-Cholesterin aus den feinen Blutgefäßen ins Bindegewebe aus. Dort wird es chemisch verändert (oxidiert). Fresszellen (Makrophagen) nehmen das veränderte Fett auf und werden zu sogenannten Schaumzellen, die sich in der Haut sammeln.

Ein ähnlicher Vorgang spielt sich bei der Arterienverkalkung (Arteriosklerose) in der Gefäßwand ab. Das erklärt, warum Fachleute eine Verbindung zwischen Xanthelasmen und Gefäßerkrankungen vermuten. Ein niedriges HDL-Cholesterin („gutes“ Cholesterin) könnte zusätzlich dazu beitragen, weil weniger Cholesterin aus dem Gewebe abtransportiert wird.

Warum gerade an den Augenlidern?

Die genaue Ursache ist unbekannt, aber die besondere Lidhaut spielt wohl eine Rolle. Sie ist die dünnste Haut des Körpers, gut durchblutet und hat ein lockeres Bindegewebe. Zudem werden die Lider ständig bewegt; dabei könnte vermehrt Fett aus den kleinen Gefäßen austreten. Auch eine leichte, örtliche Entzündungsaktivität wird diskutiert.

Haben alle Betroffenen zu hohes Cholesterin?

Nein, nur etwa die Hälfte der Menschen mit Xanthelasmen hat erhöhte Blutfette. Die Angaben schwanken je nach Quelle: Französische Fachartikel nennen etwa ein Drittel, die meisten anderen Quellen etwa die Hälfte. Ein deutsches Nachschlagewerk berichtet aus größeren Studien eine Fettstoffwechselstörung bei rund 60 Prozent. Umgekehrt haben je nach Untersuchung 25 bis 70 Prozent der Betroffenen normale Blutfette.

Bei normalen Werten vermutet man, dass die LDL-Teilchen anders zusammengesetzt sind oder leichter oxidieren. Auch eine örtliche Neigung der Haut zur Fetteinlagerung wird angenommen.

Welche Fettstoffwechselstörungen kommen vor?

Am häufigsten finden sich ein erhöhtes LDL-Cholesterin, erhöhte Triglyzeride (Neutralfette) und ein niedriges HDL-Cholesterin. Fachleute sprechen von Dyslipidämie oder Hyperlipoproteinämie. In der älteren Einteilung nach Fredrickson werden vor allem die Typen II, III und IV genannt. Dazu gehören erbliche Formen wie die familiäre Hypercholesterinämie und die familiäre kombinierte Hyperlipidämie.

Welche anderen Erkrankungen begünstigen Xanthelasmen?

Mehrere Erkrankungen verändern den Fettstoffwechsel und kommen bei Menschen mit Xanthelasmen gehäuft vor. In einer größeren Auswertung hatten rund 40 Prozent der Betroffenen Bluthochdruck und 18 Prozent Diabetes. Folgende Zusammenhänge werden beschrieben:

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), die das Cholesterin erhöht.
  • Lebererkrankungen, besonders solche mit Gallestau wie die primär biliäre Cholangitis (früher primär biliäre Zirrhose).
  • Nierenerkrankungen mit starkem Eiweißverlust (nephrotisches Syndrom).
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis).
  • Übergewicht und erhöhte Harnsäure.
  • Bluthochdruck und bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Können Medikamente Xanthelasmen auslösen?

Ja, einige Medikamente können über einen Anstieg der Blutfette Xanthelasmen begünstigen. Genannt werden Kortison (Glukokortikoide), Ciclosporin (ein Mittel zur Unterdrückung des Immunsystems), Östrogene und Tamoxifen. Setzen Sie solche Medikamente nicht eigenmächtig ab. Besprechen Sie die Frage mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt; mehr dazu unter Augenschäden durch Medikamente.

Welche Rolle spielen Ernährung, Rauchen und Alkohol?

Eine fett- und cholesterinreiche Ernährung, Rauchen und viel Alkohol werden als begünstigende Faktoren genannt. Sie verschlechtern die Blutfette und erhöhen das Herz-Kreislauf-Risiko. Ob sie Xanthelasmen direkt verursachen, ist nicht belegt. Gesichert ist aber, dass es sich für Herz und Gefäße lohnt, diese Faktoren anzugehen.

Sind Xanthelasmen erblich?

Xanthelasmen selbst werden nicht direkt vererbt. Vererbt werden aber Fettstoffwechselstörungen, die das Auftreten begünstigen. Deshalb kommen Xanthelasmen in manchen Familien gehäuft vor. Wenn Eltern oder Geschwister Xanthelasmen, sehr hohes Cholesterin oder früh einen Herzinfarkt hatten, sollten Sie das bei der Ärztin oder beim Arzt erwähnen.

Gibt es seltene Ursachen?

Selten treten Xanthelasmen nach schweren Hautentzündungen auf, etwa nach einer Erythrodermie (Rötung der gesamten Haut) oder einer allergischen Kontaktdermatitis, teils bei normalen Blutfetten. Noch seltener sind Erkrankungen des Blutes, etwa eine monoklonale Gammopathie (ein krankhaft vermehrtes, einheitliches Bluteiweiß) oder ein Plasmozytom, beteiligt. Solche Ursachen kommen eher bei untypischen, derben Lidherden oder bei Xanthomen an anderen Körperstellen in Betracht.

4 Diagnose

In diesem Kapitel (9)

Wie wird ein Xanthelasma festgestellt?

Meist reicht ein Blick: Ärztinnen und Ärzte erkennen Xanthelasmen an Farbe, Lage und Beschaffenheit. Weitere Untersuchungen der Lider sind in typischen Fällen nicht nötig. Die Untersuchung übernehmen Augenärztinnen und Augenärzte oder Hautärztinnen und Hautärzte. Oft fällt ein Xanthelasma auch Hausärztinnen und Hausärzten auf.

Was fragt die Ärztin oder der Arzt im Gespräch?

Das Gespräch zielt auf Hinweise für eine Fettstoffwechselstörung und das Herz-Kreislauf-Risiko. Typische Fragen sind:

  • Seit wann bestehen die Flecken, sind sie gewachsen, haben sie sich verändert?
  • Sind Ihre Blutfette bekannt, nehmen Sie Medikamente gegen Cholesterin?
  • Haben Sie Diabetes, Bluthochdruck, eine Schilddrüsen-, Leber- oder Nierenerkrankung?
  • Rauchen Sie, wie viel Alkohol trinken Sie?
  • Gibt es in Ihrer Familie hohes Cholesterin, Herzinfarkte oder Schlaganfälle in jungen Jahren?
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein, zum Beispiel Kortison oder Hormone?

Welche Blutwerte sollten bestimmt werden?

Bei allen Menschen mit Xanthelasmen sollten die Blutfette untersucht werden. Diese Empfehlung findet sich in deutschen, britischen, französischen und spanischen Fachquellen gleichermaßen. Zum Fettprofil (Lipidprofil) gehören:

  • Gesamtcholesterin
  • LDL-Cholesterin
  • HDL-Cholesterin
  • Triglyzeride
  • bei Bedarf Apolipoprotein B und Lipoprotein(a)

Je nach Situation kommen weitere Werte hinzu: Blutzucker oder HbA1c (Langzeitzucker) für Diabetes, Schilddrüsenwerte (TSH), Leber- und Nierenwerte. Früher wurde stets eine nüchterne Blutabnahme empfohlen; ob das nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Welche Blutfettwerte gelten als normal?

Für Menschen mit niedrigem Herz-Kreislauf-Risiko gelten grobe Richtwerte, für alle anderen gelten strengere, persönliche Zielwerte. Das österreichische Gesundheitsportal nennt für Gesunde mit niedrigem Risiko folgende Orientierung:

WertRichtwert
Gesamtcholesterinunter 190 mg/dl
LDL-Cholesterinunter 116 mg/dl
HDL-Cholesterinüber 40 mg/dl (Männer), über 50 mg/dl (Frauen)
Triglyzerideunter 150 mg/dl

Wer bereits eine Herzerkrankung, Diabetes oder mehrere Risikofaktoren hat, braucht deutlich niedrigere LDL-Werte. In Frankreich werden Blutfette oft in g/l angegeben: 1,9 g/l entsprechen 190 mg/dl. Lassen Sie sich Ihre persönlichen Zielwerte erklären.

Wird das Herz-Kreislauf-Risiko insgesamt bewertet?

Ja, das ist sinnvoll, denn Blutfette sind nur ein Teil des Risikos. Hausärztinnen und Hausärzte schätzen das Gesamtrisiko aus Alter, Geschlecht, Blutdruck, Blutfetten, Rauchen, Diabetes und Familiengeschichte ab. Dafür gibt es Rechenhilfen (Risikoscores). Bei Verdacht auf eine familiäre Hypercholesterinämie hilft ein Punktesystem, der sogenannte Dutch-Lipid-Clinic-Score.

Eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern kann Hinweise auf Gefäßverkalkung geben. Eine Auswertung mehrerer Studien fand bei Menschen mit Xanthelasmen im Mittel dickere Gefäßwände der Halsschlagader. Ob diese Untersuchung im Einzelfall nötig ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Wann ist eine Gewebeprobe nötig?

Eine Gewebeprobe (Biopsie) ist nur nötig, wenn der Befund nicht eindeutig ist. Das betrifft untypische, harte, geschwürige oder schnell wachsende Herde und Lidveränderungen, die sich nach einer Entfernung ungewöhnlich verhalten. Unter dem Mikroskop zeigen Xanthelasmen die typischen Schaumzellen in der oberen Lederhaut, oft um Haarbälge und Talgdrüsen. Spezielle Fettfärbungen machen die Einlagerungen sichtbar.

Bei der Entfernung durch Ausschneiden wird das Gewebe ohnehin feingeweblich untersucht. Bei Laser-, Säure- oder Kältebehandlung bleibt dagegen kein Gewebe für eine Untersuchung übrig. Deshalb sollte bei Zweifeln vorher eine Probe genommen werden.

Gibt es Untersuchungen, die die Behandlung planen helfen?

Meist reichen Betrachten und Tasten. In spezialisierten Zentren kann eine hochauflösende Ultraschalluntersuchung (Ultraschall-Biomikroskopie) zeigen, wie tief ein Herd in die Haut reicht. Das hilft bei der Entscheidung, ob ein oberflächliches Verfahren wie Laser ausreicht oder eine Operation besser ist. Augenärztinnen und Augenärzte achten zudem darauf, wie viel Lidhaut vorhanden ist und wie gut das Lid schließt.

Ist der Hornhautring ein zusätzliches Warnzeichen?

Bei älteren Menschen kaum, bei jüngeren schon eher. In der großen dänischen Studie sagte der Hornhautring (Arcus corneae) das Herzrisiko nicht unabhängig voraus, Xanthelasmen dagegen schon. Bei jüngeren Menschen kann ein Hornhautring aber ein Hinweis auf hohe Blutfette sein. Die Augenärztin oder der Augenarzt sieht ihn bei der Untersuchung an der Spaltlampe.

Wer kümmert sich in Deutschland und Österreich um die Blutfette?

Erste Ansprechpartner sind die Hausärztin oder der Hausarzt. Bei auffälligen Werten folgen Internistinnen und Internisten, Endokrinologinnen und Endokrinologen oder spezialisierte Lipid- und Stoffwechselambulanzen. Die Blutuntersuchung und die Behandlung einer Fettstoffwechselstörung sind in beiden Ländern Kassenleistung. In Österreich kann bei manchen Versicherungsträgern, etwa SVS oder BVAEB, ein Selbstbehalt anfallen.

5 Behandlung

In diesem Kapitel (17)

Müssen Xanthelasmen behandelt werden?

Nein, die Lidherde selbst müssen nicht behandelt werden, weil sie harmlos sind. Eine Entfernung erfolgt fast immer aus kosmetischen Gründen, selten, weil sehr große Herde das Lid stören. Behandelt werden sollte dagegen eine eventuell gefundene Fettstoffwechselstörung oder ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Das ist medizinisch der wichtigere Teil.

Wie wird die Fettstoffwechselstörung behandelt?

Grundlage ist ein gesunder Lebensstil, bei Bedarf ergänzt durch Medikamente. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Normalgewicht, wenig Alkohol und Rauchverzicht. Reicht das nicht, verordnen Ärztinnen und Ärzte cholesterinsenkende Medikamente, meist Statine, je nach Befund auch andere Wirkstoffe wie Ezetimib oder Fibrate. Bei sehr schweren erblichen Formen kommen Spezialverfahren wie die Lipidapherese (eine Art Blutwäsche, die Fette entfernt) in Frage.

Verschwinden Xanthelasmen, wenn das Cholesterin sinkt?

Meist nicht, oder nur zum Teil. Britische und französische Fachquellen halten fest, dass es keinen sicheren Beleg gibt, dass Cholesterinsenker das Aussehen der Herde verbessern. Einzelne Berichte beschreiben eine teilweise Rückbildung, und eine gute Einstellung kann womöglich neue Herde seltener machen. Den Nutzen der Behandlung sollten Sie deshalb vor allem am Schutz von Herz und Gefäßen messen, nicht an den Lidern.

Welche Methoden gibt es, um Xanthelasmen zu entfernen?

Es gibt mehrere bewährte Verfahren, aber keines ist in allen Fällen zufriedenstellend. Die Wahl hängt von Größe, Dicke und Lage der Herde ab, von der Menge der Lidhaut, vom Hauttyp und von der Erfahrung der Behandelnden. Gute Vergleichsstudien fehlen weitgehend; die meisten Daten stammen aus Fallserien. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick.

VerfahrenGeeignet fürVorteileNachteile und Risiken
Operation (Ausschneiden)dicke, tiefe, ältere Herde; zusätzlicher Hautüberschussgründlich, Gewebe wird untersucht, mit Lidstraffung kombinierbarNarbe, bei viel Gewebeverlust Lidfehlstellung, ggf. Hauttransplantat
CO2-Laserflache bis mittlere, auch größere Herdepräzise, oft eine Sitzung, kurze ErholungPigmentveränderungen, selten Narben, Augenschutz nötig
Erbium-YAG-Laserflache, oberflächliche Herdesehr fein steuerbarPigmentveränderungen, oft mehrere Sitzungen
Andere Laser (Argon, Farbstoff, Nd:YAG)sehr flache, frühe Herdeteils ohne Betäubungmehrere Sitzungen, Rückfälle häufiger
Trichloressigsäurekleine, flache Herdeeinfach, kostengünstigTiefe schwer steuerbar, Aufhellung, Narben, Gefahr für das Auge
Elektrokoagulation, Radiofrequenzkleine bis mittlere Herdeschnell, wenig Schaden am UmgebungsgewebeEntzündung, Schwellung, Pigmentveränderung
Kältebehandlungflache Herdeambulant, wenig schmerzhaftstarke Lidschwellung, mehrere Sitzungen, Pigmentverlust

Wie läuft die operative Entfernung ab?

Bei der Operation schneidet die Ärztin oder der Arzt den Herd in örtlicher Betäubung heraus und vernäht die Haut. Es ist eine der ältesten Methoden und gilt bei dicken Plaques oft als die dauerhafteste. Kleine Herde werden schmal spindelförmig ausgeschnitten, damit sich die Narbe gut in die Lidfalte legt. Der Eingriff dauert meist 15 bis 30 Minuten und erfolgt ambulant.

Ist ohnehin zu viel Oberlidhaut vorhanden, lässt sich die Entfernung mit einer Lidstraffung (Blepharoplastik) verbinden. Dann wird das Xanthelasma mit der überschüssigen Haut entfernt. Bei sehr großen Herden, vor allem am Unterlid, kann ein Hauttransplantat oder eine Hautverschiebung nötig sein, damit das Lid nicht nach außen gezogen wird.

Ein Vorteil: Das entnommene Gewebe wird feingeweblich untersucht. So ist sicher, dass es sich wirklich um ein Xanthelasma handelt. Wiederholte Operationen an derselben Stelle sind wegen der Narbenbildung nur begrenzt möglich.

Wann ist eine Operation die bessere Wahl?

Eine Operation wird vor allem bei tiefen, harten und lange bestehenden Herden empfohlen. Eine Übersichtsarbeit nennt folgende Gründe:

  • Tiefe, harte Herde (in der Übersicht ab etwa 5 Millimeter Höhe) oder Herde, die schon länger als ein Jahr bestehen.
  • Gleichzeitig zu viel Lidhaut (Schlupflid).
  • Befall aller vier Lider.
  • Bekannte familiäre Fettstoffwechselstörung.
  • Mehr als ein Rückfall nach anderen Verfahren.

Für flache, weiche Herde, die erst kurz bestehen, kommen eher Laser, Elektro- oder Kältebehandlung oder Säure in Frage.

Wie wirkt die Laserbehandlung?

Der Laser trägt das Gewebe mit dem Fett Schicht für Schicht ab oder verdampft es. Am häufigsten werden der CO2-Laser und der Erbium-YAG-Laser eingesetzt, beide auch in fraktionierter Form. Eine systematische Übersicht über 21 Studien hält die Laserbehandlung für wirksam, bewertet die Studienlage aber als begrenzt. Eine größere Übersicht von 2023 (49 Arbeiten, rund 1.300 Behandelte) fand den CO2-Laser wirksamer als den Erbium-YAG-Laser und als Trichloressigsäure in 30- bis 50-prozentiger Konzentration; gegenüber 70-prozentiger Säure war er etwa gleich wirksam. Die häufigste Komplikation waren Pigmentveränderungen.

Einige Ergebnisse aus Studien:

  • In einer chinesischen Klinik wurden 295 Menschen mit großen Xanthelasmen mit dem CO2-Laser behandelt. Über 99 Prozent der Herde Grad I bis III und etwa 95 Prozent der Herde Grad IV heilten ab, meist nach einer Sitzung, teils nach zwei bis drei. Nach zwölf Monaten waren 6,8 Prozent wiedergekommen.
  • In einer chinesischen Serie mit 36 Behandelten verschwanden alle Herde nach einer Sitzung mit einem ultragepulsten CO2-Laser; bei 11 Prozent kamen sie innerhalb von 1 bis 10 Monaten zurück.
  • Ein spanisches Krankenhaus in Castellón behandelte 12 Menschen mit beidseitigen Xanthelasmen ambulant mit ultragepulstem CO2-Laser. Alle Herde wurden entfernt, ohne Lidfehlstellung oder Blutung.
  • Ein gütegeschalteter Nd:YAG-Laser besserte in einer kleinen Pilotstudie alle Befunde, bei 8 von 11 Behandelten gut bis sehr gut.

Nicht jeder Laser passt zu jedem Herd. Sehr flache, frühe Herde sprechen auch auf Farbstofflaser an, die oft ohne Betäubung auskommen. Beim Argonlaser wurden innerhalb von 12 bis 16 Monaten häufig Rückfälle beobachtet. Tiefe Herde gelten als schlecht geeignet für eine reine Laserbehandlung.

Welche Risiken hat die Laserbehandlung?

Häufigste Nebenwirkung sind Farbveränderungen der Haut. In der großen chinesischen Studie traten Aufhellungen bei 8,5 Prozent auf, Dunkelfärbungen bei 8,1 Prozent und Narben bei 4,4 Prozent. Weitere mögliche Folgen sind Rötung, Schwellung, Blasen, Infektion und selten ein nach außen gezogenes Lid (Ektropium). Weil der Laser dicht am Auge arbeitet, ist ein Augenschutz unverzichtbar; Verletzungen der Hornhaut sind beschrieben, aber bei erfahrenen Behandelnden sehr selten.

Was ist die Behandlung mit Trichloressigsäure?

Dabei wird eine Säure, die Trichloressigsäure, vorsichtig auf den Herd getupft und verätzt ihn oberflächlich. Die Haut stirbt an dieser Stelle ab und wird mit der Zeit erneuert. Je nach Quelle werden Konzentrationen von 30 bis 50 Prozent, teils höher, verwendet. Das Verfahren eignet sich vor allem für kleine, flache Herde.

Nachteile sind die schwer steuerbare Eindringtiefe und häufige Aufhellungen der Haut. Möglich sind auch Dunkelfärbungen, Reizung, Schmerzen und selten Narben oder ein gestörter Lidschluss. Gelangt Säure ins Auge, droht eine Verätzung. Die Behandlung gehört deshalb nur in erfahrene ärztliche Hände.

Wie funktionieren Elektrokoagulation und Radiofrequenz?

Bei diesen Verfahren wird das Gewebe mit hochfrequentem Strom erhitzt und zerstört. Eine bewährte Technik aus der deutschen Dermatologie setzt in örtlicher Betäubung viele feine Punkte von etwa 1 Millimeter Tiefe im Abstand von 2 bis 3 Millimetern. Zwischen den Punkten bleiben Hautbrücken stehen, die die Heilung erleichtern. Die Regel lautet: lieber mehrmals vorsichtig behandeln als einmal großflächig.

Die Entzündungsreaktion klingt nach etwa drei bis vier Wochen ab. In dieser Zeit wird die Wunde trocken gehalten, bei Bedarf mit einer desinfizierenden Salbe. Mögliche Nebenwirkungen sind Schwellung, Juckreiz, vorübergehende Schmerzen und selten Pigmentstörungen. Manche kombinieren das Verfahren mit vorsichtigem Abschaben (Kürettage), was viel Erfahrung erfordert.

Hilft eine Kältebehandlung?

Die Kältebehandlung (Kryotherapie) vereist den Herd mit flüssigem Stickstoff, danach baut der Körper das Gewebe in einigen Wochen ab. Sie ist ambulant und wenig schmerzhaft, braucht aber oft mehrere Sitzungen. In einer Serie mit 100 Behandelten verschwanden fast alle Herde, 26 kamen innerhalb von sechs Monaten wieder, Narben traten nicht auf. Wegen der oft starken Lidschwellung und möglicher Aufhellung der Haut wird das Verfahren am Lid eher zurückhaltend eingesetzt.

Wie wählt man das passende Verfahren?

Als Faustregel gilt: Flache, weiche, junge Herde lassen sich oberflächlich behandeln, tiefe, harte und alte Herde eher operieren. Eine Übersichtsarbeit schlägt folgende Einteilung vor:

  • Flach (in der Übersicht bis etwa 5 Millimeter Höhe), weich, seit höchstens einem Jahr: Laser, Radiofrequenz, Trichloressigsäure oder Kälte.
  • Höher und tiefer (ab etwa 5 Millimeter Höhe), hart, seit über einem Jahr, mit Hautüberschuss: Operation, eventuell mit Lidstraffung.
  • Bei bekannter Fettstoffwechselstörung: zusätzlich internistische Behandlung.

Fragen Sie im Beratungsgespräch, welche Methode die Praxis am häufigsten anwendet, wie viele Sitzungen zu erwarten sind und wie sie mit Rückfällen umgeht. Erfahrung mit der gewählten Methode ist für das Ergebnis oft wichtiger als die Methode selbst.

Wie bereitet man sich auf die Entfernung vor?

Vor einer Entfernung sollten die Blutfette bestimmt sein. So wird eine Fettstoffwechselstörung nicht übersehen, und bei unbehandelten hohen Werten ist mit mehr Rückfällen zu rechnen. Teilen Sie mit, ob Sie blutverdünnende Medikamente nehmen, zu Narbenwucherungen neigen oder schon einmal behandelt wurden. Bei dunklerem Hauttyp ist das Risiko für Pigmentveränderungen höher; das beeinflusst die Wahl des Verfahrens.

Was ist nach der Entfernung zu beachten?

Nach der Behandlung sind Rötung, Schwellung und kleine Krusten für einige Tage bis Wochen normal. Halten Sie sich an die Pflegehinweise der Praxis, meist trockene Wundpflege oder eine Salbe. Kratzen Sie Krusten nicht ab. Schützen Sie die behandelte Haut über einige Monate vor starker Sonne, um dunkle Flecken zu vermeiden.

Melden Sie sich in der Praxis, wenn Schwellung oder Rötung nach einigen Tagen zunehmen, die Wunde eitert, Fieber auftritt oder das Lid nicht mehr richtig schließt. Augenschmerzen, plötzliche Sehverschlechterung oder starke Lichtempfindlichkeit nach einem Eingriff am Lid müssen sofort abgeklärt werden.

Helfen Hausmittel, Cremes oder Öle?

Nein, für Hausmittel gibt es keinen Wirksamkeitsnachweis. Apfelessig, Knoblauch, Rizinusöl, Aloe vera, Kombucha oder Kräuterauszüge werden im Internet empfohlen, entfernen Xanthelasmen aber nicht. Säurehaltige Mittel können die dünne Lidhaut verätzen und ins Auge gelangen. Auch frei verkäufliche „Entfernungsstifte“ und Säurelösungen sollten Sie nicht selbst anwenden.

Zahlt die Krankenkasse die Entfernung?

In Deutschland zahlt die gesetzliche Krankenkasse die Entfernung in der Regel nicht, weil sie als kosmetisch gilt. Ausnahmen sind im Einzelfall möglich, wenn die Herde nachweislich die Lidfunktion beeinträchtigen. Private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten je nach Vertrag manchmal. Die Untersuchung und Behandlung einer Fettstoffwechselstörung zahlt die Kasse dagegen.

In Österreich legt das Sozialversicherungsgesetz (§ 133 Abs. 3 ASVG) fest: Kosmetische Behandlungen gelten nur dann als Krankenbehandlung, wenn sie einen krankhaften Zustand des Körperbaus oder einer Körperfunktion beseitigen. Andere kosmetische Behandlungen kann die Kasse nur ausnahmsweise als freiwillige Leistung übernehmen, etwa wenn sie aus beruflichen Gründen nötig sind. Eine eigene Regel speziell zu Xanthelasmen fand sich nicht. Eine rein kosmetische Entfernung ist daher in aller Regel privat zu bezahlen. Fragen Sie im Zweifel vorher bei Ihrer Krankenkasse, etwa der ÖGK, nach. Auch in Großbritannien, Frankreich und Spanien gilt die Entfernung meist als kosmetisch.

Was kostet die Entfernung?

Die Kosten hängen von Methode, Größe und Zahl der Herde sowie von der Praxis ab. In Deutschland wird nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. Praxen nennen für kleine Herde Beträge ab etwa 250 Euro, bei mehreren Herden, Laserbehandlung oder kombinierter Lidstraffung deutlich mehr. Lassen Sie sich vorher einen schriftlichen Kostenvoranschlag geben, der auch mögliche Nachbehandlungen enthält.

6 Verlauf und Prognose

In diesem Kapitel (9)

Wie verlaufen Xanthelasmen ohne Behandlung?

Ohne Behandlung bleiben Xanthelasmen bestehen und wachsen meist langsam weiter. Oft kommen über die Jahre neue Herde hinzu, oder bestehende fließen zusammen. Eine bösartige Veränderung ist nicht bekannt. Die Augen selbst nehmen keinen Schaden.

Wie oft kommen Xanthelasmen nach der Entfernung wieder?

Rückfälle sind häufig, die Zahlen schwanken aber stark je nach Methode und Studie. Eine viel zitierte ältere Untersuchung zur Operation von 1976 (Mendelson und Masson) fand Rückfälle bei etwa 40 Prozent nach dem ersten Eingriff, bei 60 Prozent nach dem zweiten und bei 80 Prozent, wenn alle vier Lider betroffen waren. Etwa ein Viertel dieser Rückfälle zeigte sich schon im ersten Jahr. Diese Zahlen sind alt; neuere Serien berichten teils deutlich niedrigere Raten. Die Übersicht von 2023 nennt für die Operation Rückfälle unter 5 Prozent, für Laserverfahren je nach Gerät etwa 10 bis 31 Prozent.

Verfahrenberichtete Rückfallrate
Operation (ältere Studie, 1976)etwa 40 % nach erstem, 60 % nach zweitem Eingriff
Laser allgemein (Übersicht)etwa 13 bis 16 %
CO2-Laser, große Serie (2025)6,8 % nach 12 Monaten
Ultragepulster CO2-Laser (China, 36 Behandelte)11 %
Kältebehandlung (100 Fälle)26 % nach 6 Monaten
Allgemeine Schätzung französischer und spanischer Quellenetwa 25 bis 40 %

Die Zahlen sind kaum vergleichbar, weil Nachbeobachtungszeiten, Größe der Herde und Patientengruppen sehr unterschiedlich waren. Kurze Nachbeobachtungen unterschätzen Rückfälle eher. Rechnen Sie also damit, dass eine Nachbehandlung nötig werden kann.

Was erhöht das Rückfallrisiko?

Große und dicke Herde kommen häufiger zurück. In der chinesischen Laserstudie lag die Rückfallrate bei Herden über 2 Millimeter Höhe bei 35 Prozent, bei flacheren bei 5 Prozent. Weitere genannte Faktoren sind der Befall aller vier Lider, wiederholte Behandlungen und eine unbehandelte Fettstoffwechselstörung. Ob eine gute Einstellung der Blutfette Rückfälle wirklich verhindert, ist allerdings nicht sicher geklärt.

Erhöhen Xanthelasmen das Risiko für Herzinfarkt?

Möglicherweise ja, wenn auch nur mäßig; die Studienlage ist nicht einheitlich. Die wichtigste Untersuchung ist die Kopenhagener Bevölkerungsstudie (Christoffersen und Kollegen, BMJ 2011). Darin wurden 12.745 Däninnen und Dänen, die zu Beginn herzgesund waren, ab den Jahren 1976 bis 1978 im Mittel 22 und höchstens 33 Jahre begleitet. Von ihnen hatten 563 Xanthelasmen.

Menschen mit Xanthelasmen hatten nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren ein um 48 Prozent höheres Herzinfarktrisiko, ein um 39 Prozent höheres Risiko für die koronare Herzkrankheit und ein um 14 Prozent höheres Sterberisiko. Auch das Risiko für schwere Arterienverkalkung war erhöht. Der Zusammenhang bestand unabhängig von Übergewicht, Rauchen, Blutdruck sowie den gemessenen Werten für Gesamtcholesterin und Triglyzeride. Er zeigte sich ähnlich bei Menschen mit eher niedrigen wie mit höheren Blutfettwerten.

Wie groß ist das zusätzliche Risiko in absoluten Zahlen?

Am deutlichsten war der Unterschied bei älteren Menschen. Bei Männern zwischen 70 und 79 Jahren lag das 10-Jahres-Risiko für eine koronare Herzkrankheit mit Xanthelasmen bei 53 Prozent, ohne bei 41 Prozent. Bei Frauen in dieser Altersgruppe betrug es 35 gegenüber 27 Prozent. In allen Altersgruppen war das absolute Risiko mit Xanthelasmen etwas höher.

Gibt es Studien, die keinen Zusammenhang zeigen?

Ja, und das gehört zu einer ehrlichen Einordnung. Eine israelische Untersuchung (Ophthalmology 2024) verglich 203 Menschen mit Xanthelasmen mit über 2.000 Personen ohne. Fettstoffwechselstörungen (42 gegenüber 46 Prozent) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (9 gegenüber 10 Prozent) waren in beiden Gruppen ähnlich häufig. Die Autorinnen und Autoren bezweifeln deshalb, dass Xanthelasmen ein brauchbarer Risikomarker sind.

Dagegen fand eine Zusammenfassung von 15 Studien mit 854 Betroffenen (Journal of the American Academy of Dermatology 2020) höhere Werte für Gesamtcholesterin, LDL und Apolipoprotein B sowie dickere Halsschlagaderwände. Die spanische Universitätsklinik Navarra fasst zusammen: Xanthelasmen sind kein bestätigter eigenständiger Risikofaktor, aber ein guter Anlass, Blutfette und Herzrisiko zu prüfen.

Was folgt daraus für Sie?

Xanthelasmen sind kein Grund zur Angst, aber ein Grund für eine Untersuchung. Lassen Sie Blutfette, Blutdruck und Blutzucker prüfen und Ihr Herz-Kreislauf-Risiko einschätzen. Sind alle Werte gut, ist das beruhigend; eine Kontrolle in größeren Abständen ist trotzdem sinnvoll. Sind die Werte auffällig, kann eine frühe Behandlung Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen.

Können Xanthelasmen das Auge schädigen?

Nein, Xanthelasmen selbst schädigen das Auge nicht. Erhöhte Blutfette, Bluthochdruck und Diabetes können aber die Gefäße der Netzhaut belasten. Dazu gehören der Netzhautschaden durch Bluthochdruck, die diabetische Retinopathie und Gefäßverschlüsse am Auge. Deshalb kann eine augenärztliche Untersuchung des Augenhintergrunds bei diesen Risikofaktoren sinnvoll sein.

Welche Folgen kann die Behandlung haben?

Komplikationen der Entfernung sind meist gering, aber nicht ausgeschlossen. Möglich sind Narben, Aufhellung oder Dunkelfärbung der Haut, ein nach außen gezogenes Unterlid oder ein unvollständiger Lidschluss nach zu großem Gewebeverlust. Schwere Verletzungen des Auges sind sehr selten. Je vorsichtiger und schrittweiser behandelt wird, desto geringer ist das Risiko.

7 Vorbeugung

In diesem Kapitel (7)

Kann man Xanthelasmen vorbeugen?

Eine sichere Vorbeugung gegen Xanthelasmen gibt es nicht. Viele Betroffene haben normale Blutfette und einen gesunden Lebensstil. Sinnvoll ist trotzdem alles, was Blutfette und Gefäße schützt. Das nützt vor allem Herz und Gehirn, möglicherweise senkt es auch das Risiko für neue Herde und Rückfälle.

Welche Ernährung ist sinnvoll?

Empfehlenswert ist eine ausgewogene, überwiegend pflanzliche Kost mit viel Ballaststoffen. Dazu gehören Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und pflanzliche Öle wie Raps- oder Olivenöl. Tierische Fette aus Wurst, fettem Fleisch, Butter und Sahne sollten zurückhaltend verwendet werden. Fisch ein- bis zweimal pro Woche ist günstig.

Wie stark die Ernährung die Blutfette senkt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Bei erblichen Störungen reicht die Ernährung allein oft nicht aus. Heilfasten oder spezielle Diäten werden manchmal empfohlen, ihre Wirkung auf Xanthelasmen ist nicht belegt.

Was hilft außer der Ernährung?

Bewegung, Rauchverzicht, wenig Alkohol und ein gesundes Gewicht verbessern die Blutfette und das Herzrisiko. Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt 30 bis 60 Minuten Bewegung täglich. Bereits zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen hilft. Rauchen aufzugeben ist für die Gefäße eine der wirksamsten Einzelmaßnahmen.

Wie oft sollten die Blutfette kontrolliert werden?

Das hängt von den Werten und Ihrem Gesamtrisiko ab. Sind die Blutfette normal, reicht meist eine Kontrolle im Rahmen der regelmäßigen Gesundheitsuntersuchung. In Deutschland ist der Check-up ab 35 Jahren alle drei Jahre Kassenleistung, in Österreich die Vorsorgeuntersuchung ab 18 Jahren jährlich möglich. Bei auffälligen Werten oder unter Behandlung legt die Ärztin oder der Arzt kürzere Abstände fest.

Sollten Familienangehörige untersucht werden?

Wenn bei Ihnen eine erbliche Fettstoffwechselstörung festgestellt wird, ja. Bei der familiären Hypercholesterinämie hat jedes Kind eines betroffenen Elternteils ein Risiko von 50 Prozent, die Anlage zu erben. Eine frühe Diagnose bei Geschwistern und Kindern ermöglicht eine frühe Behandlung. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an.

Was kann man im Alltag gegen die Sichtbarkeit tun?

Ein gut deckendes Make-up kann die gelbliche Farbe abschwächen. Wählen Sie milde Produkte, die für die Augenpartie geeignet sind, und entfernen Sie sie abends sanft. Reiben Sie nicht kräftig an den Lidern. Versuchen Sie nicht, die Herde auszudrücken, abzukratzen oder mit Säuren zu behandeln.

Wie lassen sich Rückfälle nach einer Entfernung vermeiden?

Ganz verhindern lassen sich Rückfälle nicht, aber man kann die Voraussetzungen verbessern. Dazu gehören eine gute Einstellung der Blutfette, Rauchverzicht und Bewegung. Eine frühe Behandlung kleiner, neu auftretender Herde ist meist einfacher und schonender als das Abwarten, bis sie groß und dick sind. Lassen Sie sich nach der Entfernung regelmäßig untersuchen und den Fettstoffwechsel kontrollieren.

8 Wann sofort zum Arzt?

In diesem Kapitel (4)

Sind Xanthelasmen ein Notfall?

Nein, Xanthelasmen sind nie ein Notfall. Sie sind harmlos, schmerzlos und schädigen das Auge nicht. Ein Termin in der Hausarzt-, Augenarzt- oder Hautarztpraxis in den nächsten Wochen genügt. Dort werden die Diagnose gesichert und die Blutfette bestimmt.

Wann sollten Sie in den nächsten Tagen zur Ärztin oder zum Arzt?

Zeitnah, also innerhalb weniger Tage bis Wochen, sollte eine Lidveränderung abgeklärt werden, wenn sie nicht typisch aussieht. Das gilt in folgenden Fällen:

  • Der Herd ist hart, unregelmäßig, glasig oder perlmuttartig.
  • Er wächst innerhalb von Wochen deutlich.
  • Er blutet, verkrustet oder bildet ein Geschwür.
  • An der Stelle fallen Wimpern aus.
  • Der Herd tritt nur auf einer Seite auf und sieht anders aus als typische Xanthelasmen.
  • Gleichzeitig fallen Knoten an Sehnen, Ellbogen oder Knien auf.
  • Xanthelasmen treten in jungen Jahren auf oder in Ihrer Familie gab es früh Herzinfarkte.

Hinter einer untypischen Lidveränderung kann sich ein Lidtumor verbergen. Mehr dazu finden Sie unter Tumoren am Augenlid.

Wann müssen Sie nach einer Entfernung sofort in die Praxis?

Nach einem Eingriff am Lid sollten Sie sich am selben Tag melden, wenn Komplikationen auftreten. Dazu gehören zunehmende Schmerzen, starke Schwellung, Eiter, Fieber oder eine sich ausbreitende Rötung. Sofort zur Augenärztin oder zum Augenarzt oder in eine Augenklinik müssen Sie bei Augenschmerzen, plötzlicher Sehverschlechterung oder starker Lichtempfindlichkeit. Gelangt Säure ins Auge, spülen Sie es sofort mit viel Wasser und suchen Sie umgehend eine Augenklinik auf.

Wann sollten Sie den Notruf wählen?

Nicht wegen der Xanthelasmen, aber bei Anzeichen eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Weil Xanthelasmen mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko einhergehen können, sollten Sie diese Warnzeichen kennen. Wählen Sie in Deutschland und Österreich sofort den Notruf 112 (in Österreich auch 144), wenn Folgendes auftritt:

  • Druck, Enge oder Brennen in der Brust, das länger als einige Minuten anhält, eventuell mit Ausstrahlung in Arme, Hals, Kiefer oder Oberbauch.
  • Plötzliche Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit oder starkes Schwächegefühl.
  • Plötzliche Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, herabhängender Mundwinkel.
  • Plötzliche Sprach- oder Verständnisstörung.
  • Plötzlicher Sehverlust oder Doppelbilder.

Plötzlicher, schmerzloser Sehverlust auf einem Auge kann auf einen Arterienverschluss der Netzhaut hinweisen. Er ist ein Notfall und wie ein Schlaganfall zu behandeln. Weitere Warnzeichen am Auge finden Sie auf der Seite Notfall am Auge.

9 Häufige Fragen

Sind gelbe Flecken am Augenlid gefährlich?

Für das Auge und die Haut sind sie harmlos: Xanthelasmen sind gutartig, entarten nicht und stören das Sehen nicht. Sie können aber auf erhöhte Blutfette und ein etwas erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hinweisen. Lassen Sie deshalb Blutfette, Blutdruck und Blutzucker prüfen.

Habe ich zu hohes Cholesterin, wenn ich Xanthelasmen habe?

Nicht unbedingt: Nur etwa ein Drittel bis die Hälfte der Betroffenen hat erhöhte Blutfette. Die anderen haben normale Werte. Klarheit bringt nur eine Blutuntersuchung mit Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyzeriden.

Gehen Xanthelasmen von alleine weg?

Nein, Xanthelasmen bilden sich praktisch nie von selbst zurück. Auch nach Senkung des Cholesterins verschwinden sie meist nicht, allenfalls teilweise. Sie bleiben bestehen und können langsam wachsen.

Kann man Xanthelasmen mit Cholesterinsenkern oder Diät loswerden?

Darauf sollten Sie nicht hoffen: Es gibt keinen sicheren Beleg, dass Statine oder eine Diät die Flecken verschwinden lassen. Die Behandlung erhöhter Blutfette ist trotzdem wichtig, weil sie Herz und Gefäße schützt.

Wie werden Xanthelasmen entfernt?

Üblich sind das Ausschneiden in örtlicher Betäubung, Laser (vor allem CO2- und Erbium-YAG-Laser), das Auftupfen von Trichloressigsäure, Elektrokoagulation und Kältebehandlung. Dicke, alte Herde werden eher operiert, flache eher gelasert. Die Wahl trifft die Augenärztin, der Augenarzt oder die Hautarztpraxis nach Befund.

Kommen Xanthelasmen nach der Entfernung wieder?

Häufig ja. Je nach Methode und Studie kommen sie bei etwa 7 bis 40 Prozent wieder, nach wiederholten Operationen und bei Befall aller vier Lider noch öfter. Große, dicke Herde und unbehandelte Fettstoffwechselstörungen erhöhen das Risiko.

Zahlt die Krankenkasse die Entfernung von Xanthelasmen?

In der Regel nicht, weil die Entfernung als kosmetisch gilt. Das gilt für die gesetzlichen Kassen in Deutschland und nach dem Sozialversicherungsgesetz grundsätzlich auch in Österreich. Ausnahmen sind möglich, wenn die Herde die Lidfunktion beeinträchtigen. Die Untersuchung und Behandlung der Blutfette zahlt die Kasse.

Was kostet es, Xanthelasmen entfernen zu lassen?

Je nach Methode, Größe und Zahl der Herde meist einige hundert Euro, bei großen Befunden oder kombinierter Lidstraffung mehr. Praxen nennen Beträge ab etwa 250 Euro. Lassen Sie sich einen schriftlichen Kostenvoranschlag geben.

Bleiben nach der Entfernung Narben?

Das ist möglich, aber meist sind die Ergebnisse gut. Nach dem Ausschneiden bleibt eine feine Narbe, die oft in der Lidfalte verschwindet. Nach Laser, Säure oder Kälte treten eher Aufhellungen oder Dunkelfärbungen der Haut auf, in einer großen Laserstudie bei je etwa 8 Prozent, Narben bei etwa 4 Prozent.

Kann ich Xanthelasmen mit Hausmitteln selbst entfernen?

Nein. Apfelessig, Knoblauch, Öle oder Cremes haben keine nachgewiesene Wirkung. Säuren und „Entfernungsstifte“ können die dünne Lidhaut verätzen und das Auge verletzen. Überlassen Sie die Entfernung erfahrenen Ärztinnen und Ärzten.

Erhöhen Xanthelasmen das Herzinfarktrisiko?

Möglicherweise, aber nur mäßig. In einer großen dänischen Studie hatten Menschen mit Xanthelasmen ein um etwa 48 Prozent höheres Herzinfarktrisiko, auch bei eher niedrigen Blutfettwerten. Eine neuere israelische Studie fand dagegen keinen Zusammenhang. Sinnvoll ist in jedem Fall, das eigene Herz-Kreislauf-Risiko ärztlich einschätzen zu lassen.

Sind Xanthelasmen ansteckend oder erblich?

Ansteckend sind sie nicht. Vererbt werden nicht die Flecken selbst, sondern manchmal Fettstoffwechselstörungen, die sie begünstigen, etwa die familiäre Hypercholesterinämie. Treten Xanthelasmen in jungen Jahren oder gehäuft in der Familie auf, sollten auch Angehörige ihre Blutfette prüfen lassen.

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Quellen

Dieser Artikel wurde aus Fachquellen in 4 Sprachen recherchiert (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) und auf Deutsch zusammengefasst.

Alle 22 Quellen anzeigen
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Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Beschwerden haben, lassen Sie sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. Mehr zum Haftungsausschluss