Viele Menschen kennen das Gefühl von „trockenen“, brennenden oder müden Augen – besonders nach einem langen Tag am Computer, in klimatisierten Räumen oder beim Tragen von Kontaktlinsen. Tränenersatzmittel, umgangssprachlich „künstliche Tränen“, sind Augentropfen oder Gele, die den natürlichen Tränenfilm nachahmen und die Augenoberfläche befeuchten. Sie gehören zu den wichtigsten Basistherapien beim sogenannten trockenen Auge und werden in Leitlinien ausdrücklich als erster Behandlungsschritt empfohlen.
Der natürliche Tränenfilm besteht aus drei Schichten: einer äußeren Fettschicht, einer mittleren wässrigen Schicht und einer inneren Schleimschicht. Dieses feine Gleichgewicht sorgt dafür, dass die Hornhaut glatt, klar und gut mit Nährstoffen versorgt bleibt. Wenn eine dieser Schichten gestört ist – zum Beispiel weil zu wenig Tränenflüssigkeit produziert wird oder sie zu schnell verdunstet – entsteht ein trockenes Auge. Die Folge sind Rötung, Brennen, Sandkorngefühl, manchmal auch paradoxe „Tränenflussanfälle“, weil das Auge auf die Reizung mit reflektorischem Tränen reagiert.
Künstliche Tränen setzen genau hier an. Viele Präparate enthalten Hyaluronsäure (Natriumhyaluronat), eine körpereigene Substanz, die große Mengen Wasser bindet und einen stabilen, schützenden Feuchtigkeitsfilm auf der Augenoberfläche bildet. Studien zeigen, dass Hyaluronsäure-Augentropfen Symptome des trockenen Auges lindern, den Tränenfilm stabilisieren und die Hornhautepithelzellen vor Schäden schützen können.
Andere Präparate arbeiten mit Carbomer-Gelen oder Cellulosederivaten wie Hypromellose oder Carboxymethylcellulose. Diese Substanzen wirken wie ein feines Gel, das Wasser bindet und nach und nach an die Augenoberfläche abgibt. Solche Gele bleiben länger auf dem Auge und sind daher besonders geeignet bei stärker ausgeprägter Trockenheit, vor allem abends oder nachts, können aber kurzfristig zu leicht verschwommenem Sehen führen.